„Das ist meine Superpower: Gut organisieren und gerne für andere da sein.“

Ein Stadtgespräch mit Luisa Enzersberger

Auch Luisa Enzersberger war in der Gastronomie sehr gerne und sehr erfolgreich unterwegs. Doch seit einem Jahr ist sie Teil der Rotkreuzfamilie in der Verwaltung des BRK Kreisverbands Neuburg-Schrobenhausen. Zum 1. November hat sie dort die Nachfolge von Bernd Pfahler angetreten – und ist als „Leiterin Organisation“ unter anderem zuständig für die Neuburger Weihnachtsverlosung.

Wie es dazu gekommen ist, dass Luisa diesen Weg eingeschlagen hat und was ihr neben diesen beiden Herzensangelegenheiten noch wichtig ist, erfahrt ihr in diesem Stadtgespräch.

Luisa, du bist in einer Gastronomenfamilie aufgewachsen. Hast du dich auch dafür begeistert, ein guter Gastgeber zu sein?

Ja, absolut. Angefangen hat für mich eigentlich alles mit dem Café Huber, dem Café meiner Großmutter Edith. Dort habe ich mit zwölf, dreizehn Jahren zum ersten Mal bedient, sonntags Kuchen serviert und Kaffee abgeräumt. Das waren meine ersten Berührungspunkte mit der Gastronomie. Später habe ich immer wieder nebenher gearbeitet, dann auch bei meinen Eltern im Stadttheater in Ingolstadt. Ich habe im Service, an der Bar und in der Küche mitgearbeitet. Es hat mir immer Freude gemacht – und man konnte gut dazuverdienen. Das war der Beginn. Damals gab es noch die Saturn Arena.

Wusstest du schon in der Schulzeit oder zur Ausbildungszeit, dass es in diese Richtung weitergehen soll?

Ja – beziehungsweise jein. Ich wusste nicht genau, was ich machen soll. Aber ich wusste: Das kann ich. Ich werde nie vergessen, wie ich zu meinen Eltern ging und von meiner Idee erzählte, Hotelfachfrau zu lernen. Mein Vater ist gelernter Koch und Küchenmeister. Meine Mutter schmunzelte nur bei meiner Aussage. Ich habe mich dann entschieden, mit meinem Berufswunsch zu starten.

Warst du für die Ausbildung in einem anderen Betrieb oder bei euch?

Ich bin bewusst woanders hingegangen, um Neues zu lernen, eigene Erfahrungen zu machen und Wissen aus anderen Bereichen mitzunehmen. Meine Freundin Resi und ich hatten schon ganz früh den Plan: Wir gehen zusammen nach Berlin.

Was wir dort genau machen würden, war anfangs offen. Wir wussten nur: Wir ziehen das gemeinsam durch, suchten uns eine WG. Sie hat studiert, ich habe meine Ausbildung in Berlin gemacht.

Hat die Großstadt das erfüllt, was du dir erhofft hattest? Ist der Plan aufgegangen?

Fachlich ja. Berlin war großartig. Ich konnte sehr viel lernen. Ich war in einem Haus mit über 700 Zimmern – ein großes Veranstaltungshotel, das Hotel „Berlin, Berlin“, das es immer noch gibt. Dort habe ich gelernt. Zur Stadt selbst sage ich: Berlin ist zum Urlaubmachen, Feiern und Besichtigen wunderbar. Zum Wohnen bin ich nie ganz angekommen – vermutlich bin ich da zu sehr Bayerin.

Aber die Erfahrung möchtest du nicht missen, oder?

Nein, auf keinen Fall. Ich bin sehr froh über diese Entscheidung – auch wenn es anfangs schwer war. Ich hatte viel Heimweh, es sind Tränen geflossen. Wer stark mit Heimat und Familie verbunden ist, tut sich damit nicht leicht. Aber für mich persönlich war es gut, wegzukommen, Neues zu sehen.

Als du mit der Ausbildung fertig warst: Bist du gleich zurück nach Neuburg oder warst du noch in anderen Restaurants und Hotels?

Ich bin relativ schnell nach Bayern zurückgekehrt, nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte. Hauptgrund war meine fast dreijährige Fernbeziehung mit meinem jetzigen Partner. Ständiges Pendeln war schwierig, also kam ich zurück nach Bayern. Zunächst ging ich nach München, wo ich gearbeitet habe. Ich bin dann vorübergehend aus der Gastronomie ins Büro gewechselt – zu „Satellite Office“, ein Anbieter für Büros und Veranstaltungsräume. Ich habe als Teamassistentin begonnen, Juniorteams aufgebaut. Mein Ziel war: geregelte Arbeitszeiten, freie Wochenenden. Ich merkte aber bald, dass es mir zu eintönig war. Also entschied ich mich für eine Weiterbildung zur Hotelmeisterin. Ich zog nach Regensburg zu meinem Freund und besuchte dort die Dr. Eckert-Schule im Bereich Hotelmeister- und Küchenmeister-Schule.

Verleihung des Meistertitels
Verleihung des Meistertitels

Das alles in relativ jungen Jahren – beeindruckend. Wer eine Lehre macht, ist mit 21, 22 oft schon voll im Arbeitsleben; mit Meistertitel erst recht.

Ja, wobei ich meine Ausbildung verhältnismäßig spät begonnen habe, weil ich Fachabitur gemacht habe. Ich habe 2015 meinen Abschluss gemacht, war da 19 und wurde 20, als ich die Ausbildung begann.

Und Regensburg, München – hast du dich dort wohlgefühlt?

a, sehr. Vor allem Regensburg – dort wäre ich gern länger geblieben. Mein Plan war, nach dem Meister in Regensburg zu arbeiten und in die Gastronomie zurückzukehren. Dafür war die Meisterschule gedacht. Dann kam jedoch Corona.

Hast du dich in der Corona-Zeit entschieden, nach Neuburg zurückzukehren – oder warst du schon dort?

Noch nicht. Der Einschnitt kam am Freitag, 13. März 2020: An diesem Tag wurden wegen COVID meine schriftlichen Meisterprüfungen abgesagt.

Die Prüfungen wurden nicht gestrichen, sondern um rund zwei Monate verschoben. Mein Plan war, am Montag, 16. März, direkt zu starten. Ich überlegte, ob ich bei meinen Eltern anfange und in Regensburg bleibe. Die Gastronomie stellte in der Zeit nicht ein. Die Übergangslösung: Ich blieb in Regensburg und pendelte. Nach dem Abschluss war ich zwei Monate arbeitslos gemeldet; meine Eltern konnten mich nicht einstellen und in Kurzarbeit schicken. Nichtstun war keine Lösung: Ich habe knapp einen Monat auf dem Hopfenfeld gearbeitet – täglich von 7 bis 18 Uhr. Das war eine spannende Erfahrung und hat sogar Spaß gemacht. Kurz darauf sind mein Freund und ich nach Neuburg gezogen.

Corona Impfung
Corona Impfung

Bist du dann bei deinen Eltern eingestiegen?

Ja. Es folgte eine Übergangsphase: Sommer/Herbst 2020 – weiterhin Lockdown. Beruflich war es noch schwierig. Ich arbeitete bei meinen Eltern mit. Dann kam im März 2020 der Stichtag, an dem das BRK Neuburg die Impfzentren aufbaute. Bernd Pfahler erhielt die Aufgabe, die Impf- und Testzentren aufzubauen. Wir kamen ins Gespräch, ich hatte ein Vorstellungsgespräch beim Roten Kreuz und wurde dort die erste Verwaltungsfachkraft für die Impfzentren.

Es war eine sehr interessante Zeit. Ich bin froh, das aus dieser Perspektive miterlebt zu haben. Für mich war Corona einschneidend, aber auch lehrreich. Danach habe ich in einer Festanstellung beim Roten Kreuz begonnen.

Ich sage oft: Hätte es Corona nicht gegeben, wäre ich vielleicht nicht in der Position und an dem Punkt meines Lebens, an dem ich heute bin. Das hat den ersten Stein ins Rollen gebracht. Damals – ich war Mitte 20 – habe ich häufig gesagt: „Das, was Bernd macht, würde ich auch gern einmal machen.“ Und es hat sich so ergeben.

Dieses kameradschaftliche Miteinander im Roten Kreuz – gerade in der Corona-Zeit – war sicher sehr intensiv, oder?

Auf jeden Fall. Besonders war auch: Viele Mitarbeitende meiner Eltern arbeiteten in den Impfzentren mit. Es war eine Art Joint Venture: Bernd suchte Personal, und ich wusste, dass einige unserer Leute in Kurzarbeit waren – mit Zeit und teils finanziellen Sorgen. Eine Handvoll Mitarbeitender arbeitete dann zusätzlich im Impfzentrum und konnte so das Kurzarbeitergeld aufstocken.

Dadurch konnte der Betrieb meiner Eltern Personal halten. Klar war: Wenn Corona vorbei ist, laufen die Impfzentren aus – dann geht es wieder aufwärts. Es war ein sehr gutes Zusammenspiel.

Als die Impfzentren abgebaut wurden – warst du dann wieder überwiegend in der Gastronomie?

Ja. Ich kehrte zu meinen Eltern zurück – das war der Deal und mein Wunsch. Nach der Pandemie, bis etwa November 2024, habe ich bei meinen Eltern in der Serviceorganisation gearbeitet: Dienstplanung, Einarbeitung und Einstellung neuer Mitarbeitender – und auch selbst im Service mitgearbeitet. Mir war wichtig, beides zu verbinden: Büro und Praxis. Es hat mir sehr viel Freude gemacht. Wir sind ein Familienbetrieb – das ist besonders. Es war eine sehr schöne Zeit.

Was war dann der ausschlaggebende Punkt für den Wechsel zurück zum BRK – und gleich in eine Leitungsposition?

Hauptgrund war meine Beziehung. Die Gastronomie bindet sehr viel Zeit, vor allem an Wochenenden. Mein Partner arbeitet klassisch werktags, ich war jedes Wochenende im Einsatz. Das ist auf Dauer schwierig. Außerdem wusste ich, dass Bernd in Rente gehen würde. Ich habe offen mit meinen Eltern gesprochen: Ich gehe nicht, weil mir die Arbeit keinen Spaß macht – im Gegenteil. Aber für mich persönlich war es richtig, die Leitungsposition anzunehmen und mich weiterzuentwickeln. Ich bin weiterhin bei meinen Eltern tätig – ich erstelle die Dienstpläne und arbeite mit –, kann jedoch freier wählen und meine Zeit besser einteilen.

Der Wunsch nach mehr Regelmäßigkeit im Alltag – hat das für euch funktioniert?

Ja, absolut. Ich sage immer: Gastronomie funktioniert am besten, wenn man sie als Paar gemeinsam lebt.

Bernd und du wart lange parallel in Einsatz- und Organisationsleitung unterwegs. War das hilfreich –Verantwortung zu tragen und zugleich jemanden an der Seite zu haben?

Ja. Das war auch der Wunsch des BRK. Für mich war es gut vereinbar: Bei meinen Eltern habe ich die Stunden schrittweise reduziert, beim Roten Kreuz erhöht – die Dienstpläne schreibe ich ja selbst. Ein zentraler Aufgabenschwerpunkt war die Sozialverlosung. Wir haben praktisch in der Adventszeit 2024 mit dem Endprodukt begonnen, und ich habe über das Jahr die notwendigen Prozesse gelernt – inklusive weiterer Aufgabenfelder. Wichtig war der Geschäftsführung eine saubere Übergabe dessen, was Bernd aufgebaut hatte. Daher die lange Einarbeitung.

Hattest du als Kind oder Jugendliche bereits Berührung mit dem BRK – bei der Wasserwacht oder dem Jugendrotkreuz – oder war während Corona der erste Kontakt?

Als Kind tatsächlich nicht. Das hat sich einfach nicht ergeben.

Der Generationenwechsel prägt vieles – auch im Umgang miteinander. Konntet ihr euch in der Übergabe gut ergänzen: Bernds Erfahrung und dein frischer Blick?

Ja, auf jeden Fall. Man merkt den Generationenunterschied, aber in vielen Punkten denken wir ähnlich – sonst wäre ich nicht in diese Position gekommen. Im Impfzentrum haben wir bereits gut zusammengearbeitet. Bei Themen wie Digitalisierung sieht man Unterschiede: Früher fuhr man für Bank­angelegenheiten zur Filiale; heute passiert vieles online. Es wird sich sicher einiges ändern, wenn ich die Position übernehme. Gleichzeitig hat Bernd sehr viel richtig gemacht; nicht alles muss man umwerfen – manches macht man einfach anders.

Die Gastronomie verlangt stets Kreativität und Flexibilität – auch dabei, im Hintergrund Lösungen finden, damit der Gast sich immer rundum zufrieden fühlt. Das ähnelt doch auch ein Stück dem Alltag beim Roten Kreuz.

Ja, das stimmt. Manche waren überrascht, dass ich die Position übernehme. Ich habe erklärt: Es gibt viele Parallelen. Organisation gibt es auch in der Gastronomie, und es gibt zahlreiche Schnittstellen – Veranstaltungen, Dienstpläne, Abrechnungen. Vieles war mir vertraut; neue Aufgaben kamen dazu, und man wächst daran. Es macht großen Spaß, Neues zu lernen.

Ist das jetzt deine zweite Sozialverlosung – beziehungsweise die erste allein verantwortete?

Die erste allein.

Fühlst du dich gut gerüstet? Du hast mit dem Team rund um die Neuburger Weihnacht ja besonders sympathische und erfahrene Kollegen an Bord wie Nils Lahn oder Geli Burghart.

Ich fühle mich gut aufgehoben. Ich kannte viele dieser Menschen bereits – es sind also keine neuen Begegnungen, nur ein neuer Rahmen. Alle sind offen auf mich zugegangen. Auch die Ehrenamtlichen haben früh signalisiert: „Wir unterstützen dich, du kannst auf uns zählen.“ Manche kennen mich seit der Impfzeit; das erleichtert den Einstieg.

Diese Ausgabe von HALLO Neuburg erscheint am 29. November – kurz nach dem Start des Weihnachtsmarkts am Schrannenplatz. Gibt es einen Moment in der Vorweihnachtszeit mit Sozialverlosung, der dir besonders wichtig ist?

Es gibt viele schöne Momente. In Erinnerung geblieben ist mir der letzte Abend im vergangenen Jahr – die Verlosung des Autos. Das war sehr emotional, auch wegen der symbolischen Übergabe: Bernd hat mir dort „seinen Hut“ übergeben. In diesem Jahr wird der erste Moment auf der Bühne sicher besonders – ich werde mich bedanken für Einarbeitung und Übergabe. Danach darf es mein Stil werden und weitergehen. Ich mag die Adventszeit sehr – besinnlich, stimmungsvoll. Und dass ich nun täglich am Weihnachtsmarkt sein darf, passt wunderbar.

Konntest du nach der Rückkehr nach Neuburg an alte Freundschaften anknüpfen, oder sind neue dazugekommen – etwa durch das BRK?

Durch Berlin, München und Regensburg haben sich Freundschaften verändert oder reduziert – Entfernung macht das oft. Kontakte bestehen, aber in Neuburg hat sich viel neu aufgebaut. Mein Freund hat einen großen Freundeskreis, das hat geholfen. Besonders prägend war, dass ich vor knapp drei Jahren mit Volleyball begonnen habe – zuerst Beachvolleyball,
inzwischen auch Halle, in der Kreisliga Damen 2, zusammen mit meiner besten Freundin Steffi, die ich über den Sport kennengelernt habe. Der Freundeskreis ist dadurch stark gewachsen. Sport ist für mich der wichtigste Ausgleich.

Lässt sich das mit Spielen am Wochenende gut mit deinen beruflichen Aufgaben vereinbaren?

Ja. Die Spiele sind samstags, das erleichtert die Planung. Früher war das in der Gastronomie schwierig, jetzt kann ich Zeiten koordinieren: Volleyball, Nebenjob bei meinen Eltern, Hauptjob, Beziehung – das klappt gut. Ich habe feste Trainingszeiten, das hilft. Volleyball ist mein einziges Hobby, das macht es einfacher.

Wie bist du konkret zum Volleyball gekommen?

Über das Freibad Neuburg. Ich bin gern dort, schwimme viel. Einige aus dem Freundeskreis spielten Volleyball; ich habe mitgemacht – erst hobbymäßig. Dann merkte ich, wie viel Freude es mir macht. Im Winter ging es in der Halle weiter. Zunächst in einer gemischten Hobbymannschaft, dort spiele ich, wenn es zeitlich passt, noch heute. Später wollten wir gezielter trainieren, haben in Ingolstadt einen Beachkurs besucht und sind dann in die Halle gewechselt – dort sind Teams und Spieltage besser strukturiert. Draußen im Sommer mag ich es zwar besonders, aber die Halle ergänzt das gut. Unsere Mannschaft ist gemischt – von 15 bis 35 Jahren.

Hast du in deiner Zeit zurück in Neuburg noch etwas erlebt, was dich besonders bewegt hat?

Mein Freund Maximilian Bergbauer hat mit seinem besten Freund Adrian Steidl bei diesem Schloßfest die „Badestube“ wiederbelebt. Ich war ebenfalls beteiligt, ebenso meine Eltern. Das war ein besonderes Erlebnis – sehr anstrengend, aber spannend und prägend.

Es war ein starkes Miteinander im gesamten Freundeskreis. Es ging nicht nur um den Aufbau von Theke und Pavillon. Alle haben sich eingebracht, ohne großes Budget – aus Überzeugung. Wir waren sehr vorbereitet – und konnten auch mit selbst komponierten Liedern und selbst gestaltetem Bildmaterial auf die Badestube aufmerksam machen.

Das hat mich sehr beeindruckt und stolz gemacht.

Gruppenbild Badestube
Gruppenbild Badestube am Neuburger Schlossfest

Ich kann mir vorstellen, dass die Premiere der „Badestube“ beim Schlossfest sehr emotional war.

Ja, absolut. Das Feedback war überwältigend. Auch wenn das Lob offiziell an die „Jungs“ ging, weiß man, wer alles mitgewirkt hat. Für uns war es sehr positiv – auch für meine Beziehung. Mein Partner arbeitet schon lange in der Gastronomie und hilft bei uns mit, aber ein eigenes Projekt eröffnet einen neuen Blick. Danach hatte er noch mehr Verständnis, wenn kurzfristig jemand ausfiel und ich einspringen musste. Es war anstrengend, wir haben uns in der Zeit wenig gesehen. Wir sind schon seit zehn Jahren zusammen – aber dieses gemeinsame Projekt hat uns noch ein Stück mehr verbunden.