Der Verein „Tafel Deutschland e.V.“ hat sich mit seinen 975 örtlichen Vereinen in den 32 Jahren seines Bestehens zur „größten sozial-ökologischen Bewegung Deutschlands“ entwickelt – so kann man es im Internet nachlesen. Seit der Gründung des ersten Tafel-Ladens in Berlin im Jahr 1993 ist die Initiative unaufhaltsam gewachsen: über 75.000 Aktive unterstützen die Tafeln durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit. Sie sorgen dafür, dass über 1,5 Millionen Menschen in Deutschland mit Lebensmitteln versorgt werden können, wenigstens mit dem nötigsten.
Um die Jahrtausendwende wurden sie in deutschen Städten immer mehr sichtbar: mehr Obdachlose, mehr Menschen, die in Abfallkörben suchten, mehr Flüchtlinge und mehr Rentner, denen das Geld nicht mehr für das nötigste reicht. Rentenerhöhungen können die Preissteigerungen bei den Mieten und Energiekosten schon lange nicht nicht mehr auffangen. Auch Lebensmittel sind durch die Folgen von Klimawandel und Kriegen teurer geworden. Viele Rentner mit schmalem Budget brachte dies in eine prekäre Finanzlage.
Auf den Rückseiten der immer größer werdenden und überfüllten Supermärkte landen dagegen immer mehr Lebensmittel auf dem Müll. Tonnenweise geht überproduziertes Brot in die Verbrennung, schon wenige Tage vor Ablauf des Haltbarkeitstermins werden Lebensmittel „entsorgt“, weil sie nicht mehr verkauft werden können – obwohl sie oft noch lange haltbar wären.
Weniger Lebensmittel in den Müll und Unterstützung von Bedürftigen – das sind die beiden Grundsätze der Tafeln.
Inzwischen unterstützen die großen Discounter und viele Lebensmittelmärkte die Tafeln, indem sie nicht mehr verkaufbare Lebensmittel zur Verfügung stellen. Einige sponsern mit
Aktionen wie die „5-€-Tüte“ und mit Geldspenden, damit Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl, Haferflocken oder Waschpulver gekauft werden können.
25 Jahre Tafel Neuburg
Die Neuburger Tafel kann in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Philomena Schlamp ist schon seit dreizehn Jahren dabei, anfangs als Helferin, seit über acht Jahren ist sie die Vorsitzende des Vereins, ihre Vertreterin ist Tatjana Malsam. „Wir versorgen heute 530 Haushalte in der Region, also etwa 1.200 Menschen, mit dem Nötigsten an Lebensmitteln“. 85 Ehrenamtliche helfen mit, dass bei der Ausgabe am Dienstag alles in geregelten Bahnen abläuft. Nicht mehr als fünf Leute dürfen im Halbstundentakt in den Laden, so kann jeder in Ruhe seine Lebensmittel aussuchen. Die Berechtigten haben einen Ausweis mit Nummer, Zeitrahmen und der Angabe, wie viele Esser zu Hause mit den Lebensmitteln versorgt werden sollen. Der Ausweis gilt immer ein halbes Jahr, dann muss die Bedürftigkeit neu überprüft werden.
Die Bedingungen für den Erhalt von Lebensmitteln kann jede Tafel nach eigenem Ermessen festlegen. Personen mit Bürgergeld-Bescheid sind immer berechtigt, aber auch Rentenbescheide und Mietverträge spielen eine Rolle. „Oft stehen erschütternde Schicksale – leider oft auch Betrug – hinter der Altersarmut, man erfährt viel und ist froh, mit der Tafel helfen zu können“, so Philomena Schlamp.
Anfang November ist die Schlange vor der Tafel am Schwalbanger noch übersichtlich. „Zum Monatsanfang haben wir eher weniger Abnehmer, gegen Ende des Monats wird das Geld knapp, das merken wir am Andrang“, sagt Philomena Schlamp. Man packt sich die Tasche voll und wirft einen Euro in eine Kasse – eher ein symbolischer Beitrag. In der kalten Jahreszeit werden die Bedürftigen wieder mehr. „Von St. Martin bis Weihnachten sind wir mit zusätzlichen Spenden ziemlich ausgelastet“, so die Vorsitzende. Zu jeder Jahreszeit werden fünfmal in der Woche Waren in Neuburg und Umgebung abgeholt, dazu betreibt die Tafel Neuburg drei Kühlfahrzeuge. Die Spender stellen die Waren an ihre Verladerampen, dort werden sie oft gleich aussortiert und in das Lager am Schwalbanger gebracht. Einige Mitarbeiterinnen sind damit beschäftigt, frisches Obst und Gemüse zu putzen, vieles ist noch verwertbar, doch auch aussortiertes wie Grüner Salat wird nicht weggeworfen, sondern geht als Futter an mehrere Hühnerbauern.Von haltbaren Waren wird ein kleiner Vorrat angelegt, denn Grundnahrungsmittel sollten immer verfügbar sein.
Ohne die Unterstützung durch Spenden von Privatpersonen und Firmen wäre auch bei der Neuburger Tafel vieles nicht möglich. Autoversicherungen, Treibstoff, Miete und Strom können mit diesen Spenden bezahlt werden. Zu besonderen Anlässen gibt es zusätzliche Artikel. Zum Schulanfang gibt es beispielsweise Schultaschen und zu Weihnachten Spielzeug mit Unterstützung des Tafel-Landesverbands.
Natürlich beteiligen sich die Mitglieder des Neuburger Tafel-Vorstands auch an Mitgliederversammlungen und Regionaltreffen, auch Schulungen beispielsweise über Ladungssicherung und Lebensmittel-Hygiene werden von den Mitarbeitern besucht. Ein bisschen Bürokratie gehört auch zum Vorstandsamt, deswegen ist das Vorstandsamt, so Philomena Schlamp „teilweise mehr als ein Vollzeit-Job“.
Das alles aber wird aufgewogen durch die große Dankbarkeit der Bedürftigen, „die wir hier fast täglich erleben. Hier geht kein Rentner raus, der nicht laut Danke sagt“. Im Lauf der Jahre hat die Vorsitzende zwar auch Anspruchsdenken und Respektlosigkeit erlebt, doch „das Schöne überwiegt“.
Immer wieder spannend sei jeder neue Tag und die Arbeit mache viel Sinn, so Philomena Schlamp und „es macht vor allem auch Spaß, in der netten Gemeinschaft mit dem Team der Helfenden Sinnvolles zu tun“.

exklusiv für die Neuburger Tafel aufgenommen.