Birdland Neuburg –  Jazz von Weltrang

Manfred Rehm und sein Lebenswerk

Zu Beginn eine kleine Rätselfrage: Was haben ND und NY gemeinsam? Die Antwort lautet: Beide Städte sind ein Mekka für Jazzfans. Und wohin pilgern die in Neuburg an der Donau? In einen Club, der denselben Namen trägt wie sein nach dem Bebopper Charly „Bird“ Parker benanntes New Yorker Pendant: das „Birdland“.

Birdland Jazzclub, Mitgliedsausweis von Manfred Rehm
Birdland Jazzclub, Mitgliedsausweis von Manfred Rehm

Die Entdeckung des Jazz

Dass sich dort heute Jazz-Größen aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand geben, ist in erster Linie einem Mann zu verdanken: Manfred Rehm, Gründungsmitglied seit 1958 und seit 1985 Vorsitzender des Birdland Jazzclubs Neuburg e.V., Jazz-Enthusiast und Kunstliebhaber, Manager und Macher im Hintergrund, ungern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Schon als Teenager, als andere Rythm & Blues, Rock ‘n Roll oder aber deutsche Schlager hörten, entstand seine Liebe zum Jazz. 1956 kaufte er sich seine erste Platte, eine LP des Jazzsaxophonisten und -flötisten Jerome Richardson. Der damals 15-jährige Manfred hatte seine Musik gefunden, eine Passion, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat.

Zusammen mit den anderen Mitgliedern, unter ihnen auch zwei Amerikaner, die Platten aus den PX-Läden besorgen konnten, besuchte er in den Anfangsjahren des Clubs Konzerte von Jazz-Legenden wie Duke Ellington und Oscar Peterson, man traf sich zu Plattenabenden, hörte Jazzsendungen auf AFN und im Bayerischen Rundfunk und veranstaltete Konzerte. Der damalige Gründungsvorsitzende des Neuburger
Jazzclubs, Helmut Viertl, ging übrigens 1962 nach Burghausen, wo er später mit Joe Viera die berühmte Jazzwoche aus der Taufe hob. 

Neubeginn im Gewölbekeller

Nach Viertls Weggang, während Rehms Studium und in den 70er- und frühen 80er-Jahren hatte der Verein mit Problemen zu kämpfen, ein geeignetes Lokal zu finden und war nicht mehr so aktiv wie zuvor. 1985 dann der Neubeginn: Im Keller der „Schönen Aussicht“ in der Oberen Stadt wurde der Club wiedergegründet und Manfred Rehm, inzwischen Vermessungsingenieur in Ingolstadt, zum neuen Vorsitzenden gewählt, doch die Odyssee in puncto Vereinsquartier ging weiter – bis zum Happy End in den 90er-Jahren.

Am 1. Februar 1991 begann mit einem Konzert des Dusko Goykovich Quintets eine neue Ära. Seitdem ist das „Birdland“ im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke zu Hause. 

Ein Club mit internationalem Ruf

Heute ist „Am Karlsplatz A 52“ eine der ersten Adressen für Jazzer aus aller Welt. Um nur ein paar ganz berühmte Namen zu nennen: Dave Brubeck, Gerry Mulligan, Lee Konitz, John Scofield, J. J. Johnson, Ray Brown, Tommy Flanagan, Benny Golson, Kenny Barron, Roy Hargrove und Stephane Grappelli traten schon in dem Gewölbe mit der hervorragenden Akustik auf, ebenso eine Vielzahl deutscher und europäischer Spitzenmusiker. 

Rund 100 Konzerte pro Jahr stellt Manfred Rehm in Neuburg, im Audi Forum und im Rahmen der „After Work Lounge“ in Ingolstadt auf die Beine. Die Bandbreite der Stile reicht vom traditionellen Jazz bis zur zeitgenössischen Avantgarde. Eng arbeitet Rehm auch mit dem BR seit Jahrzehnten zusammen. 1962 wurde im Birdland das erste Konzert vom Bayerischen Rundfunk für die Sendereihe „Jazz auf Reisen“ aufgenommen. Seit 2011 gibt es das Birdland Radio Jazz Festival. Jeweils im Herbst werden 8 Konzerte mitgeschnitten, die dann im Laufe des Jahres auf BR-Klassik und Bayern 2 gesendet werden. Nächster Sendetermin ist der 27. März 2026. Zusätzlich präsentiert die Konzertfolge „Art of Piano“ Pianisten der nationalen und internationalen Sonderklasse.

Jazz als Haltung

Zu den Konzerten im Keller am Karlsplatz reist das größtenteils fachkundige Publikum oft von weither an, darunter erfreulicherweise auch immer mehr junge Leute, die den Jazz für sich entdeckten, so Manfred Rehm. Kein Wunder, meint er: „Jazz ist für mich die legitimste Kunstform unserer Zeit, Jazz symbolisiert Freiheit und kennt keine Grenzen“, sagt er und verrät auch, warum die berühmtesten Gruppen so gerne in dem Gewölbekeller mit dem intimen Club-Feeling gastieren, in dem 100 Sitz- und um die 50 Stehplätze zur Verfügung stehen. 

„Die Musiker schätzen die gesamte Konzertatmosphäre – und zwar nicht nur die ausgezeichnete Akustik, sondern auch die geistige Korrespondenz zwischen den Ausführenden und den Hörern“, erklärt der Impresario, der sein rein ehrenamtliches Engagement als „Altersversicherung“ im ideellen Sinne ansieht und als ein großes Geschenk empfindet. Die komplette Programmzusammenstellung, die Verhandlungen und Vertragsabschlüsse und die Mittelbeschaffung liegen allein in seinen Händen, für weitere Aufgaben wie die Technik, die Transfers, die graphische und redaktionelle Gestaltung der Monatsprogramme und vieles mehr kann er auf ein eingespieltes Team zurückgreifen.

Für dieses Engagement wurde Manfred Rehm bereits zum zum siebten Mal für das „Beste Liveprogramm“ prämiert. Dafür bekam er vom aktuellen Ressortchef Wolfram Weimer von der Bundesinitiative Musik den „Applaus“-Award überreicht.

Freiheit als Lebenskunst

Sein tatsächliches Alter merkt man dem Manni, wie ihn seine Freunde nennen, übrigens nicht an. Für ihn selbst zählt ohnehin nur sein biologisches Alter, das weit darunter liegt. Viel Bewegung – unter anderem Schwimmen und Radfahren – sowie eine gesunde, ausgewogene Ernährung ohne dogmatische Zwänge tragen dazu bei: „Man muss sich klar werden, was man gerne isst, aber auch was man gerne denkt und gerne macht!“

Apropos „gerne machen“: Neben dem Jazz hat Manfred Rehm noch eine zweite große Leidenschaft, die Malerei, und hier insbesondere die Impressionisten und die modernen Abstrakten. Und er liebt Paris. Dort kann er nicht nur in den berühmten Museen und Galerien dieser Leidenschaft frönen, Paris ist für ihn auch die Stadt einer literarischen Figur seines Lieblingsschriftstellers Georges Simenon: Kommissar Maigret, dessen Spuren er gerne nachgeht. Solche Paris-Trips unternimmt er gerne alleine. Manchmal macht er sich dann nämlich vom Hotel aus zu Fuß ohne ein konkretes Ziel auf den Weg und lässt sich einfach treiben – eine Form von Freiheit nicht unähnlich der, die dem Jazz innewohnt.

Weitere Informationen und Programmvorschau finden Sie unter:
www.birdland.de

Vor dem Clubeingang
Vor dem Clubeingang