„MIT DER ZEYT“ – Der Neuburger Stadtgeschichte begegnen

Der Historische Verein Neuburg will Geschichte sichtbar machen – der neue Vorstand um Marcus Prell hat sich viel vorgenommen

Exkursionen, Vorträge und die Würdigung des vor 250 Jahren geborenen Vereinsgründers Joseph Benedikt Graßegger – der Historische Verein Neuburg nimmt sich auch 2026 ein großes Programm vor. Der Vorsitzende Marcus Prell und seine Stellvertreterin Eva Muster haben die Termine ihren Mitgliedern vor kurzem vorgestellt.

Die neue Vorstandschaft, seit gut einem Jahr im Amt, fährt eine populärwissenschaftliche Linie und will den Verein für alle Bevölkerungsgruppen öffnen. Die Forschungen, das Archiv und die beiden Museen sollen sich stärker erschließen für Schulklassen und junge Erwachsene. Es gibt freitags einen „Kulturstammtisch“ im Loiblhaus. Praktikanten und Studenten sollen forschen und das Archiv nutzen. Ein Student aus Stepperg schreibe gerade eine Bachelor-Arbeit über die Spuren der Römer in der Heimatregion. „Der Historische Verein braucht diese Nachwuchskräfte“, bekräftigt der Vorsitzende.

Die Erkundung der unerschöpflichen Neuburger Stadtgeschichte läuft dazu parallel und liefert immer wieder bisher kaum gekannte Aspekte. Der Konflikt nach der relativ turbulenten Neuwahl und Abwahl des bisherigen Vorsitzenden Dr. Michael Henker sei längst ausgestanden, versichert Marcus Prell. Der Münchener Historiker sei weiterhin Mitglied und immer willkommen.

Die Historische Verein erneuert seine Kontakte mit den Kollegen der Region, zum Beispiel im Austausch mit dem Stadtmuseum Ingolstadt. Es soll mehr Kooperationen mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt geben, zum Beispiel mit einem Proseminar über römische Münzen. Marcus Prell verteilt die Themen für das Magazin „Mit der Zeyt“, das 2025 erfolgreich angelaufen ist und kostenlos an Interessenten abgegeben wird.

Stark interessiert zeigt sich der Verein an einer Eröffnung der archäologischen Sammlung im Schloss. Die alte Ausstellung ist vor Jahren abgebaut worden, eine Neukonzeption liegt in München vor. „Wir hoffen auf eine Neueröffnung spätestens im Jahr 2027“, sagt Vereinschef Prell. Neuburg hat eine große Vielfalt an archäologischen Funden zu bieten, die zum großen Teil noch nicht bewertet worden sind. „Diesen Schatz haben wir Michael Eckstein zu verdanken, der nach wissenschaftlichen Standards unglaublich viel gesammelt und geforscht hat.“

Die Lagerstätten des Vereins sind übervoll. „Ein neues Depot wäre ein Traum“, so formuliert Marcus Prell einen alten Wunsch der Historiker. Er kennt aber die schwierige Finanzlage der Stadt und erwartet vorerst nicht allzuviel. Die Stadt finanziert das Museum im Weveldhaus. Der Verein ist bei allen OB-Kandidaten vorstellig geworden und hofft, „dass es den Stadtpolitikern wieder ein Museum wert ist.“

Das umfangreiche Jahresprogramm beginnt am 7. Februar mit einer Sonderführung im Schloss. Im März folgen Vorträge zu Befestigungen in der Bronzezeit, am 22. März öffnet die Graßegger-Ausstellung. Der Historische Verein ist 1833 gegründet worden. Heuer gedenkt der Verein seines Mitbegründers und Mäzens Joseph Benedikt Graßegger (1776 – 1849). Der Kaufmann und Magistrat hatte damals das Verständnis und die Mittel aufgebracht, um sich im Laufe der Zeit eine umfangreiche Kunst- und Geschichtssammlung zuzulegen. Mit dem Ankauf von Archivalien 1820 aus Pfalz-Neuburger Beständen rettete er Schätze vor der Vernichtung. Mit seinem Bruder Johann Nepomuk kaufte er tausend Akten der ehemaligen Pfalz-Neuburger Behörden bei Versteigerungen oder Händlern. Sie gingen später an das Staatsarchiv Neuburg und bilden den Kern der „Graßegger Sammlung“. Details aus der Geschichte des Fürstentums und der Stadt sind dieser Sammlung und den vielen Aufsätzen im Kollektaneenblatt entnommen. Joseph Benedikt Graßegger war Sammler, Forscher und engagierter Bürger. Seinen Nachlass vermachte er dem Historischen Verein.