Überraschung am Wahlabend
Einige Tage nach dem wegweisenden Wahlabend für Neuburg sind die Freude oder Enttäuschung über das Ergebnis der Stadtratswahl am 8. März noch nicht verarbeitet, doch es gibt keine Verschnaufpause. Hinter den Kulissen laufen die Telefondrähte heiß. Denn jetzt gilt es für die Stichwahl-Kandidaten Matthias Enghuber (CSU) und Gerhard Schoder (Grüne/SPD), sich weitere Unterstützer zu sichern. Es geht nicht nur um die Gunst der eigenen Wähler, sondern auch um die, die beim ersten Mal ihr Kreuz bei den Kandidaten der Freien Wähler, FDP oder Wind gemacht haben.
Da stellt sich die Frage, wie die Kandidaten selbst sich positionieren. Franziska Hildebrandt von WIND hatte sich noch am Wahlabend klar hinter Gerhard Schoder (Grüne/SPD) gestellt, der mit gut fünf Prozent Stimmenvorsprung in die Stichwahl geht.
Die Freien Wähler haben sich nach der Niederlage ihres OB-Kandidaten Florian Herold „einstimmig darauf verständigt“, dass sich die Gruppierung der Freien Wähler neutral verhalten werde. Eine Wahlempfehlung der gesamten Partei werde es nicht geben. „Wir glauben, es ist besser, wenn sich beide Kandidaten im direkten Vergleich den Bürgerinnen und Bürgern stellen und ihre Positionen selbst sichtbar machen“, heißt es. Zugleich aber betont man, dass man geschlossen zu den Themen stehe, mit denen man im Wahlkampf angetreten sei.
Und es wird angefügt: „Jede einzelne Person kann sich selbstverständlich öffentlich äußern und ihre persönliche Entscheidung mitteilen.“
Bei der FDP hat man sich ebenfalls neutral verhalten, wie die frisch wiedergewählte Stadträtin Bettina Häring gegenüber der Neuburger Rundschau sagte. „Jeder entscheidet selbst für sich, wie er sich positioniert. „Schließlich sind wir bei den Liberalen“, betont die 77-Jährige. Bettina Häring setzt ihre Prioritäten vor allem bei sozialen Themen. OB-Kandidat Peter von der Grün, der für die Liberalen 6,3 Prozent der Stimmen geholt hatte und am Wahlabend selbst keine Aussage machen wollte, hatte sich im Laufe der beiden Wochen bis zur Stichwahl für Gerhard Schoder ausgesprochen.
Nach der Stichwahl
Als Gerhard Schoder am Abend der Stichwahl am 22. März das Rathaus-Foyer im ersten Stock betritt, zieht er alle Blicke auf sich. Der 45-Jährige steht an diesem Abend, der für Neuburg historisch ist, im Mittelpunkt, auf ihn haben die Leute gewartet. Gerhard Schoder hat sich in der Stichwahl überraschend deutlich mit 58,8 Prozent gegen Matthias Enghuber (CSU) durchgesetzt. Während der gemeinsame Kandidat von Grünen und SPD damit einen sensationellen Erfolg feiert, ist das Ergebnis eine herbe Niederlage für Enghuber und die CSU.
Die Stimmen der Stichwahl sind an diesem Abend schnell ausgezählt. Bereits um 18.15 Uhr, also nur 15 Minuten, nachdem die Wahllokale geschlossen haben, ist mehr als die Hälfte erfasst und der Trend eindeutig – Gerhard Schoder, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Rathaus ist, führt klar. Allen Beteiligten ist bewusst: Diesen Rückstand wird der bereits anwesende Matthias Enghuber nicht mehr aufholen. So verfinstern sich die Mienen der CSU-Anhänger immer mehr, die Stimmung ist gedrückt. Kurz darauf ist es amtlich: Die Wählerinnen und Wähler schenken ihr Vertrauen mehrheitlich Gerhard Schoder. Neuburg bekommt nach 24 Jahren CSU-Führung durch Bernhard Gmehling einen grünen Oberbürgermeister.
Der richtet nach ersten Interviews das Wort an die Gäste im Foyer, darunter viele CSU-Anhänger und Freie Wähler und natürlich sein Team der Grünen, der SPD und WIND. Der frisch gewählte Neuburger Rathauschef spricht er in die Menge; ihm sei es sehr wichtig, dass man parteiübergreifend im neuen Stadtrat die Stadt voranbringen und den Bürgerinnen und Bürgern greifbare Verbesserungen bieten wolle.
Unterdessen muss Matthias Enghuber mit einer enormen Enttäuschung umgehen. Nach einem engagierten Wahlkampf hatte sich der 41-Jährige Chancen ausgerechnet, den Rückstand aus dem ersten Wahldurchlauf aufzuholen. Am Ende steht für ihn eine deutliche Wahlniederlage – die zweite nach 2023, als Enghuber etwas überraschend aus dem Landtag flog. Enghuber gratuliert Schoder zu einem „eindeutigen Ergebnis“ und wünscht dem neuen Rathauschef ein gutes und glückliches Händchen. Seine persönliche politische Zukunft sei unklar, sagt er auf Nachfrage. Seine beiden Mandate im Stadtrat und im Kreistag werde er aber wahrnehmen, kündigt Matthias Enghuber am Wahlabend an.
