Zur Jubiläumsausstellung, die das Neuburger Stadtmuseum seinem großen Mäzen Joseph Benedikt Graßegger (*1776 – †1849) zum 250. Geburtstag widmet.
Wer im Weveldhaus demnächst die neue Sonderausstellung besucht, wird auf den ersten Blick vieles selbstverständlich finden: eine kenntnisreich kuratierte Objektauswahl, Gemälde, Kunsthandwerk, archäologische Fundstücke aus vielen Jahrhunderten Neuburger Geschichte. Dahinter steckt jedoch mehr als professionelle Museumsarbeit – es ist das Ergebnis von fast zweihundert Jahren ehrenamtlicher Leidenschaft für die Geschichte unserer „kleinen Stadt mit großer Vergangenheit“ in einem der ältesten historischen Vereine Bayerns.
Drei Persönlichkeiten stellen wir hier beispielhaft vor. Was sie eint, ist ihr Engagement für eben jenes „Sammeln, Forschen und Bewahren“ – und die Überzeugung, dass eine Stadt ohne Geschichtsbewusstsein ein Stück ihrer Identität verliert.
Joseph Benedikt Graßegger (*1776 – †1849) –
Ein Kaufmann vermacht seiner Stadt ihr Gedächtnis
Als Joseph Benedikt Graßegger 1776 das Licht der Welt erblickt, ahnt niemand, welches Erbe er hinterlassen wird. Der erfolgreiche Kaufmann sammelt mit Begeisterung, was andere für entbehrlich halten: Waffen, Münzen, Gemälde – auch jene monumentalen Bildteppiche Ottheinrichs, die heute zu den Glanzstücken der Leihgaben des Historischen Vereins im Neuburger Schloss gehören. Was als privates Studienkabinett beginnt, wächst zu einer der bedeutendsten bürgerlichen Sammlungen Bayerns. 1833 zählt Graßegger zu den Gründern des Historischen Vereins und verfasst dessen erste Satzung. Den entscheidenden Schritt tut er mit seinem Testament: Seine Sammlung und die seines Bruders Johann Nepomuk geht 1849 in Vereinsbesitz über – ein Geschenk an den Verein, die Mitbürger, die Nachwelt. Dieses Herzstück bildet bis heute das Fundament der Neuburger Museumslandschaft.
Rund 150 Jahre später legt Roland Thiele (Vereinsvorsitz 2000 – 2018) unter anderem den Grundstein für die Digitalisierung der Vereinssammlung auf bavarikon – ein Staffelstab, den sein Nachfolger aufnimmt. Thieles Wirken für den Historischen Verein und die Neuburger Stadtgeschichte ist ausnehmend vielschichtig, wir widmen ihm einen eigenen Beitrag.

Dr. Michael Henker (Vereinsvorsitz 2018 – 2024) –
Ein Museumsfachmann erschließt Neuburg der Welt
Dr. Michael Henker bringt eine weitere Qualität ein: das Rüstzeug eines international anerkannten Museumsfachmanns und eine lebenslange Passion für Neuburg und seine Geschichte. Als Vereinsvorsitzender gibt er dem von Roland Thiele angestoßenen bavarikon-Projekt Kontur und professionelle Tiefe: Fast 1000 Objekte werden nach internationalen Standards erschlossen und im digitalen Raum sichtbar – was die Brüder Graßegger im 19. Jahrhundert gesammelt haben, leuchtet so in der Gegenwart in alle Welt.
Die neue Sonderausstellung im Stadtmuseum präsentiert dazu nun wieder ausgewählte Schätze aus dem Depot des Vereins und würdigt damit indirekt drei Menschen und ihr zeitloses ehrenamtliches Engagement für Neuburg, für die historische Identität unserer schönen Stadt.
