„Von Hexen, Heilern und Halunken“

Eine frühlingshafte Themenführung in Kostüm mit Dr. Margit Vonhof-Habermayr

Frühling in Neuburg … endlich findet das Leben wieder draußen statt! So geht es auch den Neuburger Stadtführerinnen und Stadtführern mit ihrem vielfältigen Angebot. Längst haben ihre Angebote in und um unsere Ottheinrichstadt Kultstatus erreicht.
Wer glaubt, bei diesen geschichtsträchtigen Rendez-vous eine Aneinanderreihung von verwirrenden Daten zu erhalten, irrt. Die Damen und Herren Stadtführer machen die Neuburger Geschichte zu einem Erlebnis. Wer einmal mit dem Nachtwächter in den dunklen Gassen der Altstadt unterwegs war, mit Kindern die verborgenen Winkel des Schlosses erkundet hat oder sich in die gute alte Zeit der Wirtschaften und Bierbrauer zurückversetzen ließ, der weiß: Von dieser Art „Geschichte“ kann man nicht genug bekommen! Das erwartet euch an den beiden Freitagen:

Erlebnisführung in eine dunkle Epoche

Um die grausame Zeit der Neuburger Hexenverfolgung ins Bewusstsein zu rücken, schlüpft Stadtführerin Dr. Margit Vonhof-Habermayr in die Rolle der historisch belegten Lucrezia Wohlgemut, Witwe des 1607 verstorbenen Stadtapothekers Philipp Wohlgemut. Sie berichtet von einer ersten Verfolgungswelle der angeblichen Hexen während der Regierungszeit des Pfalz-Neuburger Herzogs Philipp Ludwig (1547 – 1614), die von Dillingen, dem Sitz der obersten Verwaltung des Hochstifts Augsburg, ausging. Hier wurde nach einem aufsehenerregenden Prozess, der durch Flugblätter – die so genannten „Hexenzeitungen“ – im ganzen Land bekannt wurde, im September 1587 die alte Hebamme Walpurga Hausmann wegen gefährlicher Hexerei hingerichtet. Die von Walpurga Hausmann
während der Tortur genannten Frauen versuchten, sich ins angrenzende Fürstentum Pfalz-Neuburg zu retten und verursachten so in Höchstädt und Lauingen eine erste Hexenpanik, der einige Menschen zum Opfer fielen. Noch blieb die Residenzstadt Neuburg verschont, doch unter Herzog Wolfgang Wilhelm (1578 – 1653), dem Sohn und Nachfolger Philipp Ludwigs, sollte es durch eine der Hexerei verdächtigen jungen Frau aus Eichstätt zu einer zweiten, sehr viel stärkeren Hexenverfolgung kommen. Denn nachdem die als Unholdin besagte Wirtsfrau Anna Käser mit ihrer Familie aus Eichstätt nach Rennertshofen geflüchtet war, wurde sie von der Neuburger Hexenkommission im März 1629 dort verhaftet, nach Neuburg gebracht und der Tortur unterworfen. Unter der Folter gestand Anna Käser nicht nur die ihr vorgeworfenen Hexerei-Delikte, sondern sie beschuldigte zudem viele Neuburger Frauen und Männer der Mittäterschaft. Die Folge war eine Welle an Verhaftungen, die schließlich zu zahlreichen Todesurteilen führte. Unter den Opfern, die überwiegend dem Stand der Bäcker, Metzger und Bierbrauer angehörten, war auch der reiche Hofkastner Georg Müller samt seiner Frau Anna Katharina, geborene Silbermann.
Die Hinrichtungsstätte für die so genannten Hexen befand sich in Neuburg auf dem weiten, befestigten Platz vor der damaligen Donaubrücke, heute noch als „Köpfstatt“ bekannt. Hier wurde Anna Käser am 20. September 1629 vom Henker Jacob Vollmair gnadenhalber enthauptet, der Körper anschließend verbrannt und die Asche in die Donau gestreut. Erst die Wirren des 30-jährigen Krieges, der ab den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts Neuburg besonders hart traf, beendeten diese zweite Hexenjagd.
Der Führungsweg auf den Spuren der Neuburger Hexenverfolgung verläuft vom ehemaligen Getreidestadel nahe der Tourist-Information über das Schloss und den ehemaligen Marktplatz mit Rathaus und Jesuitenkirche, streift die einstige Stadtapotheke in der alten Martinskapelle, führt weiter zu St. Peter und dem benachbarten „Hexenturm“ in der Münz und endet an der Fronfeste, wo in dieser Zeit die meisten der Unglücklichen eingekerkert waren.
Um die aufwühlenden Berichte über die Neuburger Hexenverfolgung zu verdauen, reicht Lucrezia Wohlgemut im Anschluss an die Führung ein Gläschen stärkenden Kräuterlikör nach der Geheimrezeptur ihres Mannes.

Termine der öffentlichen Führungen:

Freitag, 8. Mai und 12. Juni 2026

Preis pro Person: 13,00 EUR

Treffpunkt: Tourist-Information

Beginn: 19.00 Uhr

Dauer: 90 Minuten