„Ein Geschenk für die Stadt“

Große Trauerfeier für Heinz Schneider, der mit 87 Jahren gestorben ist. Er führte den Neuwirt und eine erfolgreiche Fahrschule

Er hat gern gelebt und war sehr zufrieden mit seinen Jahren. Heinz Schneider ist nach langer Krankheit mit 87 Jahren zuhause gestorben. Zur Trauerfeier im alten Friedhof an der Franziskanerstraße kamen Hunderte Trauergäste. – Neben der Familie nahmen Freunde, Stammtische, Stadtpolitik und die Gastronomiebranche Abschied von dem beliebten „Neuwirt“. Trauerredner Jürgen Weingart bezeichnete den offenen und humorvollen Heinz Schneider als „Geschenk für seine Familie und die Stadt Neuburg.“ Sein Herz und seine Türen seien immer offen gestanden.

Ein Neuburger mitten in der Gesellschaft

Wenn man einen Neuburger in die Mitte der Gesellschaft unter die Menschen stellen wollte, dann wäre Heinz Schneider der Richtige gewesen. Er war nicht nur Familienmensch und als Rentner Meister der Stammtische. Er war auch Wirt, Jäger, Nebenpolitiker, Reisender, Kartenspieler, Geschäftsmann und Fahrlehrer, an den sich tausende einst junge Fahrschüler gerne erinnern.
Die Neuburger Partnerschaft mit dem tschechischen Jeseník gehört zu seiner Biografie. Im ehemals deutschen Freiwaldau ist er geboren und 1946 mit seinen Eltern vertrieben worden. Dutzende Male ist er in den 2000er Jahren ins 700 Kilometer entfernte Jeseník in den Ort seiner Kindheit mitgefahren. Und es ehrt Heinz Schneider, dass er dort den Menschen ohne Groll die Hände reichte und die Freundschaft mitfeierte.
Als Jugendlicher lernte er Landmaschinenmechaniker und ging dann als Berufssoldat zur Bundeswehr. Dort machte er die Prüfung zum Kfz-Meister und zum Fahrlehrer. 1972 öffnete die „Fahrschule Schneider“ in der Bürgermeister-Sing-Straße. Sie erreichte bald Beliebtheit und machte Filialen im Donaumoos auf. Mit pädagogischem Geschick brachte der Chef in seinen BMW-Fahrschulautos auch problematische Kunden zum Führerschein. „Er war wirklich ein Klasse Fahrlehrer“, sagt ein ehemaliger Fahrschüler.

Als „Neuwirt“ endgültig in seinem Element

1990 übernahm das Ehepaar Heinz und Paula Schneider den „Neuwirt“ am Oswaldplatz. Der Fahrlehrer war nun Gastronom und damit endgültig in seinem Element. Er führte Gaststätte und Hotel zu neuer Blütezeit, begründete den Stammtisch Nr. 1, ging ins Schloßfest und etablierte den Weißbiergarten beim Volksfest. Nebenbei ist fleißig Politik gemacht worden beim „Neuwirt“.
„Wir hatten immer viel Spaß“, so beschreibt Hans Bößhenz die Schafkopf- und Skatrunden mit seinem Freund Heinz Schneider und Unternehmer Erwin Müller. Der Patriarch der Drogeriekette (Müller-Markt) war regelmäßig zum Kartenspielen nach Neuburg gekommen. Heinz Schneider kannte alle Politiker, mit Landrat Richard Keßler verband ihn eine Leidenschaft für die Jagd. Seine Krankheit ertrug er mit großer Fassung und auch Dankbarkeit, das betonte er heuer, „weil meine Wünsche erfüllt worden sind und ich sehr zufrieden mit meinem Leben bin.“ Dazu gehörte auch, dass er seinen Hochzeitstag und den 60. Geburtstag von Tochter Sabine noch erleben konnte.

Hans Bößhenz mit seinem Freund Heinz Schneider in der Rennbahn
Hans Bößhenz mit seinem Freund Heinz Schneider in der Gaststätte „Rennbahn“