Die Stadt Neuburg öffnet wieder ihren Meidinger-Kunstschatz. Passend zur Advents- und Winterzeit läuft an den beiden Wochenenden des Christkindlmarktes – 6. bis 8. sowie 13. bis 15. Dezember – die Ausstellung „Weihnacht“. Das Besondere daran ist, dass neben Scherenschnitten von Josefine Meidinger (1899 – 1971) auch ein Blick in ihr originales Wohn- und Arbeitszimmer möglich ist.
2022 hatte die Stadt Neuburg den sehr umfangreichen Nachlass des Meidinger-Neffen Elmar Gernert in Empfang genommen. Die Riesensammlung sollte eigentlich der Freistaat Bayern übernehmen. Doch dann ist die Kunst von Josy Meidinger mit tausend anderen Grafiken in Neuburg gelandet. „Genau richtig“, findet Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, „die Sammlung gehört nach Neuburg.“
Die vertragliche Verpflichtung, den Kunstschatz zu sichten, katalogisieren und zu bewerten, nehme man ernst, versichert Kulturamtsleiterin Marie-Luise Kühnl. Mittlerweile seien 1400 Meidinger-Scherenschnitte im Stadtarchiv und im Meidinger-Haus eingeordnet und gesichert worden. „Und es geht noch weiter“, so Kühnl. Den Betrieb eines Dauermuseums mit Scherenschnitten könne die Stadt Neuburg nicht leisten, aber es werde weiterhin neue Themen-Ausstellungen geben. Im Dezember 2025 sollen bisher kaum gekannte Weihnachts- und Wintermotive der Künstlerin gezeigt werden. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling eröffnet die Ausstellung am Donnerstag, 4. Dezember, um 18 Uhr im ehemaligen Biohistoricum gegenüber der „Aussicht“.
Stadtarchivarin und Kunsthistorikerin Monika Schierl war 2022 unmittelbar nach ihrer Einstellung mit dem Thema Meidinger konfrontiert worden, hat sich seitdem mit Werk und Leben von Josy Meidinger vertraut gemacht. Ihre Fähigkeit, einen drei Millimeter großen Marienkäfer noch mit colorierten Punkten auf den Flügeln zu versehen, das sei einmalig gewesen, sagt die Stadtarchivarin. Die Ausstellungen würden auch in Zukunft „nicht nur Zwergerl und Engerl zeigen“, sondern auch innere Einkehr und Einsamkeit, „unter der vielleicht auch Josy Meidinger gelitten hat.“
Ihre Motive, keineswegs nur „niedlich“, setzen sich auch mit Trauer, Tod und Sterben auseinander. Für ein Mysterienspiel lieferte sie 14 Scherenschnitte zum Titel „Totentanz“. Josefine Meidinger galt als eine der besten Scherenschnittkünstlerinnen Deutschlands. Bis 1939 illustrierte sie Bücher und stellte in Chicago, München, Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt und Neuburg aus. Nach ihrem Auszug aus dem Neuburger Schloss 1945 zog sie sich ins Schloss Grünau zurück. Die Wittelsbacher gewährten ihr Wohnrecht und förderten sie zeitlebens.
