Neuburg steht vor einer politischen Veränderung. Nach 24 Jahren legt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling sein Amt nieder, und sage und schreibe fünf Kandidaten bewerben sich um seine Nachfolge. Sie standen am Donnerstag, den 15. Januar, auf der Bühne im rappelvollen Kolpinghaus. Die Neuburger Rundschau hatte Matthias Enghuber (CSU), Gerhard Schoder (Grüne/SPD), Florian Herold (Freie Wähler), Peter von der Grün (FDP) und Franziska Hildebrandt (WIND) zur Podiumsdiskussion eingeladen, und etwa 470 interessierte Bürgerinnen und Bürger wollten sich den konstruktiven Schlagabtausch nicht entgehen lassen.
Drei große Themenblöcke hatten Redaktionsleiterin Barbara Wild und Redakteur Andreas Zidar in den Mittelpunkt der Veranstaltung gerückt: Verkehr, Innenstadt und wirtschaftliche Entwicklung. Wie die Bewerber zur zweiten Donaubrücke stehen, wurde gleich zu Beginn in einer Schnellfragerunde klar: Gerhard Schoder und Franziska Hildebrandt würden als mögliche Stadtoberhäupter die baurechtlich bereits genehmigte Donaubrücke infrage stellen. Schoder setzt dabei auf Beteiligung der Bürger und die mehrheitliche Meinung im Stadtrat. „Es liegt also am Wähler, einen Stadtrat zu wählen, der die Donaubrücke nicht will.“
Anders sahen das Herold, von der Grün und Enghuber. Alle drei befürworten die Ostumfahrung mit Verweis auf eine Verkehrsentlastung in der Innenstadt und auf wirtschaftliche Belange – wenngleich Peter von der Grün einschränkte, dass die Realisierung von der Höhe der Kosten abhänge, die die Stadt selbst tragen muss.
Unterschiedliche Meinungen gab es auch zu einer möglichen Radbrücke über die Donau. Während Herold und Enghuber den Bau nicht singulär betrachten, sondern in ein Stadtentwicklungskonzept einbetten beziehungsweise vom Ergebnis der noch offenen Klagen gegen die Donaubrücke abhängig machen wollen, stehen Schoder und Hildebrandt für eine schnelle Umsetzung. Peter von der Grün hingegen räumt einer Radbrücke aus finanziellen Gründen keine Priorität ein.
Ob eine temporäre Fußgängerzone die Innenstadt beleben würde und wie sich der Schrannenplatz mit seiner Markthalle verändern könnte, waren Fragen, die in der zweiten Themenrunde den Kandidaten und der Kandidatin gestellt wurden. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in der Innenstadt in erster Linie die Einzelhändler die Entscheider über eine autofreie Straße sind. Eine „lebendige Innenstadt“ verspricht sich Franziska Hildebrandt von Pop-up-Stores und Ausstellungsräumen, die vorübergehend leere Ladenflächen beleben, während sich Peter von der Grün mehr Grün und Aufenthaltsqualität wünscht. Die Färber- und Schmidstraße allein für den Verkehr zu
sperren, reicht nach den Worten von Enghuber nicht aus. „In diesem Fall bräuchte es auch flankierende Maßnahmen.“
Für den in die Jahre gekommenen Schrannenplatz stellt sich der CSU-Kandidat eine optische Grundaufwertung vor – mit einem neuen Pflaster, Pflanzen und Sitzmöglichkeiten. Und auch die Markthalle sollte eine ganzjährige Nutzung bekommen. Herold hätte dafür schon eine Idee: ein Infopoint, in dem Bürger diverse Behördengänge erledigen könnten. Ein neuer Brunnen mit Wasserspiel wäre für Franziska Hildebrandt eine kühlende Bereicherung, Peter von der Grün könnte sich auf dem Platz eine Konzertmuschel vorstellen. Nach den Worten von Schoder habe es aus der Bevölkerung bereits eine Reihe von Vorschlägen gegeben, die jedoch nie weiter verfolgt worden seien – ein grundsätzliches Problem, das seiner Meinung nach auch andere Bereiche betreffe.
Für all diese Projekte braucht es Geld, und das sollte bestenfalls durch eine florierende Wirtschaft in die Stadtkasse gespült werden. Doch wie kann ein Oberbürgermeister darauf Einfluss nehmen? Während Franziska Hildebrandt beispielsweise mit einer Landesgartenschau oder einem neuen Kompetenzzentrum zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen generieren möchte, ist sich Herold sicher, allein durch eine Umstrukturierung des städtischen Haushalts 100 Millionen Euro in 15 Jahren freisetzen zu können. Das wiederum ist ein Ziel, das Peter von der Grün für überzogen hält. Stattdessen würde er sich der Expertise eines Wirtschaftsbeirats bedienen.
Enghuber sieht eine wesentliche Stellschraube in der Art, wie die Stadt auf Unternehmensbelange reagiert. Er würde in der Verwaltung einen zentralen Ansprechpartner implementieren, der möglichst schnell und unbürokratisch Anliegen von Gewerbe- und Industriebetrieben aus der Stadt bearbeitet und weiterleitet. In diese Richtung argumentierte auch Schoder und sprach sich für weniger Bürokratie, schnellere Bearbeitungszeiten, mehr Einsatz digitaler Möglichkeiten und mehr Gewerbeflächen aus, auch wenn ihm Letzteres als Grüner widerstrebe.
Bevor die fünf Kandidaten zu ihren Schlussworten ansetzten, mussten sie sich noch kritischen Fragen zu ihrer Person stellen. Dass Gerhard Schoder seine grüne Parteizugehörigkeit im Wahlkampf betont zurückhält, begründete er damit, dass diese für ihn zweitrangig sei. „Ich stehe für eine Politik, bei der Neuburg im Mittelpunkt steht.“ Diese Politik will Franziska Hildebrandt und ihr WIND-Team unterstützen, sollte Schoder in die Stichwahl kommen. Sie selbst ist sich dessen bewusst, dass sie nicht zu den Favoriten zählt, wünscht sich für die erste Runde am 8. März aber trotzdem, „dass man mich wählt“. Den Wechsel vom Landrat zum Oberbürgermeister erklärte Peter von der Grün damit, dass er als Stadtoberhaupt keine staatlichen Aufgaben mehr umsetzen müsse und damit nicht mehr an Landes- und Bundesgesetze gebunden sei, die gegen seine Überzeugung seien.
Seine Affinität zu mithilfe von Künstlicher Intelligenz generierten Darstellungen, die mitunter von den realistischen Gegebenheiten abweichen, begründete Florian Herold damit, den Bürgern ein Bild seiner Ideen geben zu wollen. „Ich traue mich etwas.“ Als CSU-Nachfolger verspricht Matthias Enghuber den Neuburgern einen „Neustart“. „Ich bin eine andere Generation“, sagte er mit Blick auf Bernhard Gmehling, auf dessen Arbeit er zwar aufbauen, sie jedoch auf seine Weise und mit neuen Ideen fortführen wolle.