„In Neuburg kann man an jedem Wochenende etwas  anderes unternehmen“

Stadtmarketing-Geschäftsführer Nils Lahn im Stadtgespräch

Zeit ist objektiv messbar. Doch persönlich nimmt man eine Zeitspanne oft ganz unterschiedlich wahr. Zwei Jahre ist es jetzt „erst“ her, dass Nils Lahn am 1. Januar 2024 zum Stadtmarketing-Geschäftsführer berufen wurde. Doch „gefühlt“ ist der echte Neuburger schon jahrelang mittendrin, wenn es um die Innenstadtentwicklung, die Attraktivität unserer Einkaufs- und Erlebnisstadt und die Vielfalt der Events in Neuburg an der Donau geht. 

Grund genug, beim Stadtgespräch unserer Frühjahrsausgabe von HALLO Neuburg Nils Lahn in den Mittelpunkt zu stellen. 

Das Ehepaar Lahn auf dem Schlossfest
Heimat Neuburg – Das Ehepaar Lahn auf dem Schlossfest

Nils, du befindest dich bereits im dritten Jahr als Stadtmarketing-Geschäftsführer. Wie bist du überhaupt zu dem Posten gekommen und wie war dein Werdegang bis dahin? 

Neuburg ist für mich einfach Heimat. Hier wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen und hier haben sich schon früh die ersten prägenden Beziehungen entwickelt. Bereits im St. Ulrich-Kindergarten entstanden Freundschaften, die mich bis heute begleiten. Über die Grundschule führte mich mein Weg schließlich an das Descartes-Gymnasium, wo ich mein Abitur absolvierte. Anschließend verbrachte ich eine intensive Zeit in Bamberg, wo ich mich – ohne Erfolg – dem Lehramtsstudium widmete. Danach musste ich mich wieder neu finden und orientieren, habe eine Ausbildung im Reisebüro gemacht und war dann insgesamt vier Jahre hier in der „Reise Insel“ in Neuburg. Das Thema lag mir, ich wechselte zu einem Reiseveranstalter in den Vertrieb und bereiste als Regionalleiter Süddeutschland Bayern und das südliche Baden-Württemberg. Mit der Corona-Pandemie wurde die Tourismusbranche zunächst komplett ausgebremst – und damit auch mein beruflicher Alltag. Der Betrieb kam nahezu vollständig zum Erliegen, sodass auch ich wieder gezwungen war, neue Perspektiven zu entwickeln und nach alternativen beruflichen Wegen zu suchen. Während der Kurzarbeit führte mich mein Weg zum Rewe Guggenmos, wo ich mit einem Aushilfsjob begann. Daraus entwickelte sich schnell mehr: eine Festanstellung und die Möglichkeit, gemeinsam mit Stefan Guggenmos den Liefer- und Abholservice aufzubauen und weiterzuentwickeln. 

Mit dem Abklingen der Pandemie wagte ich noch einmal den Schritt in die Touristik, diesmal im Bereich der Reiseversicherung und übernahm erneut Verantwortung in der Verkaufsleitung Bayern. Der Plan schien klar: wieder in der Branche Fuß fassen und dort langfristig bleiben.

Doch es kam anders. Eine unerwartete Option brachte mich zum Nachdenken – die Möglichkeit, das Stadtmarketing in Neuburg zu führen. Nach intensiven Gesprächen und ehrlicher Abwägung entschied ich mich, diesen Schritt zu gehen und bin sehr dankbar, dass der Verwaltungsrat mir die Zusage dafür erteilt hat. 

Dann stimmt deine Einschätzung noch aus unserem HALLO Neuburg Interview vor einem Jahr? Damals sagtest du „Ich würde mich jederzeit wieder für diesen tollen Job entscheiden“. Hat das auch mit deinen Qualitäten zu tun, die deinen Lebenslauf haben genau so laufen lassen, bis du hier angekommen bist?

Definitiv! Ich würde schon von mir behaupten, dass ich das immer war und immer noch bin – ein offener Typ, der gerne unter Leuten ist. Das ging schon im Kindergarten los und hat mich seit dem Teenageralter und durch meine Nebenjobs im Kinopalast, im Café Corso und meine Vereinstätigkeiten begleitet. Ich habe elf Jahre in der Stadtkapelle und rund 30 Jahre aktiv Fußball gespielt. Dabei sind mein Bekannten- und Freundeskreis und das „Netzwerk“ permanent angewachsen. Eine sehr wichtige Eigenschaft konnte ich dadurch immer weiterentwickeln und mir aneignen: Empathie. 

Teamwork ist alles - Teamausflug zum Oktoberfest
Teamwork ist alles – Teamausflug zum Oktoberfest

Dann ist es bestimmt auch diese Qualität, die dir in deinem aktuellen Team zugutekommt. Wenn man jetzt an die Menschen denkt, die mit dir zusammenarbeiten, sowohl im Stadtmarketing selbst als auch jetzt bei größeren Veranstaltungen wie der „Neuburger Weihnacht“ oder „Neuburg leuchtet“. Bist du jemand, der aktiv die Verbindungen hält und intensiviert?

Auf jeden Fall. Das gute Zusammenspiel im Team und mit den Kollegen ist maßgeblich für das Ergebnis verantwortlich – sowohl im Stadtmarketing wie auch beim Sport. Ich finde, nur wenn man auf Augenhöhe und respektvoll miteinander arbeitet und umgeht, können die Aktionen den entsprechenden Ertrag bringen und der Funke der Begeisterung zu den Gästen unserer Veranstaltungen oder den Kundinnen und Kunden in Neuburg überspringen. Die offene Art, auf Menschen einzugehen und ihnen zuzuhören, hilft mir da sehr. Denn schließlich muss man mit sehr vielen Menschentypen umgehen und ihre Bedürfnisse verstehen können bzw. selbstverständlich auch lernen sie zu verstehen.

Natürlich kann ich selbst meine Qualitäten als Führungskraft schwer beurteilen und möchte das auch gar nicht – aber eines ist sicher: Ich muss mich in meiner Position als Stadtmarketing-Chef nicht verbiegen und nicht jemand sein, der ich nicht bin. Ich versuche in hohem Maße ich selbst zu sein, weil Authentizität in meinen Augen wichtiger denn je ist. Wenn ich mich extrem verstellen müsste, dann fällt das irgendwann auf und das macht in meinen Augen keinen guten Eindruck. Deshalb: Ein ehrlicher, gegenseitiger Austausch war und ist mir sehr, sehr wichtig. 

Wie würdest du so die Neuburger Mittelstandsseele einschätzen? Sind das Menschen, die durch die Bank sehr engagiert sind und sehr zuversichtlich? Es ist sicher sehr entspannt, sich gemeinsam auf einer positiven Wellenlänge zu bewegen. Aber wie gehst du mit Menschen um, die gerade das Gefühl haben, die Geschäfte könnten besser laufen oder es ist alles ganz schlecht? Wie kannst du da in beiden Fällen deine Qualitäten empathisch einbringen?

Es ist immer einfacher, mit Dingen umzugehen, wenn alles gut läuft. Schwieriger wird es, wenn Herausforderungen auftauchen oder Dinge ins Stocken geraten. Dann finde ich es besonders wichtig, wirklich zuzuhören, die Sorgen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Probleme kleinzureden bringt niemandem etwas, aber wenn man sich bewusst auf die Suche nach Perspektiven macht, kann man Dinge konstruktiv wieder voranbringen.

Was mich in der heutigen Zeit aber sehr beschäftigt, ist unsere generelle Kommunikationskultur. Und damit meine ich nicht die Neuburger Geschäftsleute oder den Mittelstand. Ganz im Gegenteil: Ich sehe jeden Tag, wie engagiert, kreativ und motiviert die Menschen hier sind. Was ich meine, ist der generelle Trend, das Schlechte zu betonen und das Gute zu übersehen.

Man ist mittlerweile viel schneller dabei, Kritik zu üben als das Positive zu sehen oder zu würdigen. In digitalen Medien, in der Presse, in Gesprächen – das Negative wird meist stärker wahrgenommen. Und das ist kein Neuburger Phänomen, sondern ein gesellschaftliches Problem, das man in Deutschland und weltweit beobachten kann.

Gerade in einer Welt voller Herausforderungen wäre es viel hilfreicher, den Blick auch auf die positiven Entwicklungen zu richten. Dinge wertzuschätzen oder Engagement anzuerkennen – das
motiviert, stärkt den Zusammenhalt und schafft Perspektiven. Positives zu sehen heißt nicht, Probleme zu ignorieren, sondern ausgewogen und konstruktiv zu handeln.

Ein Beispiel: Ich höre oft Sätze wie „In Neuburg gibt es nichts mehr“ oder „überall nur Leerstand“. Die Realität sieht anders aus: Es gibt trotz einer herausfordernden Zeit ein breites Angebot, funktionierende Strukturen und Menschen, die jeden Tag für die Kundinnen und Kunden da sind. Diese positiven Aspekte sichtbar zu machen, ist extrem wichtig – ohne die bestehenden Herausforderungen zu leugnen.

Für mich geht es also darum, Balance zu finden: zuhören, ernst nehmen – und gleichzeitig das Positive sehen und würdigen. Genau das versuche ich in meiner Arbeit umzusetzen. 

Das Stadtmarketing präsentiert sein Seniorensiegel
Das Stadtmarketing präsentiert sein Seniorensiegel

Als Stadtmarketing-Geschäftsführer bist du ja bundesweit oder bayernweit unterwegs in einem Verband, wo man sich austauscht, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Du bekommst da doch sicher mit, wie die anderen Städte unterwegs sind, was sie für Probleme oder für Chancen haben. Wenn du sagst, Neuburg muss sich nicht verstecken, kannst du das noch ein bisschen deutlicher machen?

Wenn man sich beispielsweise das nördliche Bayern ansieht, findet man häufig Städte, die mit extremem Leerstand zu kämpfen haben. Und da reden wir nicht von 5 % oder 6 % wie jetzt in Neuburg, sondern da reden wir von 15, 20, 25 oder sogar 30 % Leerstand. Das ist mir auch in naher Vergangenheit wieder sehr bewusst geworden. Wenn man sich vergleicht, findet man zwar immer etwas, das vielleicht schlechter ist. Doch diese Zahlen sind der sachliche Beweis dafür, dass wir in Neuburg wirklich nicht schlecht dastehen. 

Nahezu jede Kommune hat dieselben Probleme, das stelle ich immer wieder auf diversen Stadtmarketing-Tagungen fest. Die Kollegen haben mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen, wie zum Beispiel abnehmender Frequenz oder/und zunehmendem Leerstand, mal stärker, mal schwächer. Das macht ebenfalls deutlich, dass nicht nur Neuburg davon betroffen ist. Ich habe manchmal das Gefühl, viele meinen, es wäre ein Neuburger Problem. Doch diese Schwierigkeiten gibt es bundesweit, europaweit und weltweit – weil der Onlinehandel floriert, die Wirtschaft kriselt, weil viele Leute nicht mehr das Geld im Geldbeutel haben, das sie zuvor zur Verfügung hatten. Das sind viele Faktoren, die mit hineinspielen. Deshalb liegt es bei jedem Einzelnen, welchen Weg er gehen möchte, um sich mit diesen Herausforderungen auseinanderzusetzen. 

„Neuburg leuchtet“ ist doch im letzten Herbst super gelaufen – da war so viel los in der Stadt! Und überall eine tolle Stimmung mit Livemusik. Wie haben das denn die Händler empfunden?

Die Händler waren im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Zum Glück war uns das Wetter an diesem Abend gut gesonnen, sodass es wunderbare Voraussetzungen für einen gelungenen Shopping-Abend waren. Noch dazu hatte jede Attraktion, jeder Musikact wunderbaren Zuspruch, egal in welcher Straße oder an welchem Platz, was Neuburg leuchtet herrlich abgerundet hat. 

Heuer ist ja im Wechsel mit dem Schloßfest das Hofgartenfest an der Reihe. Hast du das Gefühl, dass die Anmeldungen gut angelaufen sind? Freuen sich die Leute schon drauf? 

Was die Anmeldungen betrifft, können wir definitiv zufrieden sein. Es haben uns zahlreiche Bewerbungen aus der regionalen Künstler- und Gastronomieszene erreicht, um erneut ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen. Ich bin überzeugt davon, dass sich das Hofgartenfest über die letzten Jahre hinweg so etabliert hat, dass sich auch wieder sehr, sehr viele darauf freuen. Die Resonanz 2024 war spitze und es waren trotz vereinzelter Regentropfen viele tausende Menschen in einem wirklich prächtigen Hofgarten unterwegs. Noch wichtiger zu erwähnen ist aber, dass es ein völlig friedliches Fest war und wir hoffen, dass wir das 2026 auf die gleiche Weise durchführen können.

Ihr hattet ja vor Weihnachten auch die Aktion „Wir bezahlen deinen Weihnachtseinkauf“. Wie ist denn da die Resonanz gewesen? 

Wir haben das Format bereits im Sommer 2024 getestet – während der Sommerferien mit der Aktion „Lokal zahlt sich aus“ und vielen positiven Rückmeldungen. In der Adventszeit hatten wir in Bezug auf die eingereichten Teilnahmekarten mit dem medialen Aufschlag in der NR, dem Neuburger Extra und HALLO Neuburg ein ganz anderes Verbreitungsgebiet zur Verfügung. Anhand der eingereichten Teilnahmekarten können wir für das erste Mal in der Adventszeit durchaus zufrieden sein. Unser Ziel war und ist es, den Neuburger Einzelhandel dadurch zu stärken. Noch dazu hat sich die Aktion gut mit den bestehenden Säulen der Neuburger Weihnachtszeit ergänzt. Egal ob es die Neuburger Sozialverlosung, die Weihnachtsmärkte, der Sternderlpass, der Krippenweg oder der Wunschbaum ist, alle Rädchen greifen bei so einem Aufschlag und trotz verschiedener Organisatoren problemlos ineinander. 

Auf der AZuBi-Messe
Auf der AZuBi-Messe

Aber es klappt ja auch immer super gut …

Es klappt nur dann, wenn man ein gutes Team ist und wenn man ein gutes Miteinander pflegt. Wir haben in allen Bereichen der Organisation und in den verschiedenen Teams nur motivierte Leute, die Dinge anpacken, immer wieder auf den Prüfstand stellen und auch weiterentwickeln.

Auch unter der Federführung von Luisa Enzersberger in der Nachfolge von Bernd Pfahler. Auch hier hat alles super geklappt – bei ihrer Premiere der Neuburger Weihnacht, insbesondere bei der Neuburger Sozialverlosung, lief doch alles hervorragend.

Da kann ich nur zustimmen. Beruflich war es das erste Mal, dass wir während des Weihnachtsmarktes miteinander zu tun hatten und die Zusammenarbeit war wirklich hervorragend und absolut problemlos. Man hat den Eindruck bekommen, als würde sie seit Jahren nichts anderes machen. 

Und in eurem Stadtmarketing-Team seid ihr doch auch toll aufgestellt und 1a eingearbeitet.

Das ist vor allem der großen Erfahrung und dem Engagement meiner Kolleginnen zu verdanken. Viele von ihnen waren bereits lange vor mir im Team und haben mir dadurch auch den Start enorm erleichtert. Durch diese eingespielte Struktur konnte ich mich von Beginn an voll auf meine Aufgaben konzentrieren und habe dabei jederzeit Rückhalt und Unterstützung erfahren.

Ob es unsere Emelie, Angelika oder Carolin ist – jede bringt ihre Stärken ein und trägt auf ihre Weise dazu bei, dass die Arbeit nicht nur reibungslos funktioniert, sondern auch Freude macht. Auf dieses Team ist hundertprozentig Verlass.

Carolin ergänzt als Auszubildende im Bereich Veranstaltungskauffrau seit September 2025 unser Team. Sie bringt frische Impulse ein und passt fachlich wie menschlich hervorragend dazu. 

Insgesamt muss ich schon sagen, dass ich mit einem sehr harmonischen, motivierten und kompetenten Team zusammenarbeiten darf – und ich bin froh und dankbar, diese Kolleginnen an meiner Seite zu wissen.

Du bist jetzt nicht als Stadtmarketing-Geschäftsführer unterwegs, sondern als Privatperson gefragt. Wo befindet sich dein Lieblingsplatz in Neuburg?

Eine vielfältige Natur steigert die Attraktivität und Lebensqualität einer Stadt in hohem Maße und lädt in meinem Fall die Akkus immer wieder auf. Deshalb gehe ich gerne mit meiner Freundin im Englischen Garten am Flussufer entlang in Richtung Donaukai. Der Blick, wenn man vom Ruderclub in Richtung Stadt läuft und man dieses wahnsinnig schöne Schloss Neuburg sieht, ist unbezahlbar und daran kann ich mich nicht satt sehen. Ich glaube, das geht vielen Neuburgerinnen und Neuburgern so. Das macht den Donaukai durch alle Jahreszeiten hinweg für mich so besonders, egal ob Winter oder Sommer. Hier wird mir jedes Mal bewusst, in was für einer schönen Stadt wir eigentlich leben. Deshalb ist mein Lieblingsplatz der Donaukai mit Blickrichtung Schloss.

Wie nutzt du Neuburg als Einkaufs- und Erlebnisstadt? Fällt dir dazu ein Begriff ein, der die Attraktivität von Neuburg auf den Punkt bringt?

Vielfältig trifft es für mich wirklich gut, um unsere liebenswerte und lebenswerte Heimatstadt zu beschreiben. Es gibt eine schöne Auswahl an Einzelhandel und Gastronomie und eine große Auswahl an Vereinen, wo man wirklich gefühlt alles machen kann und die nebenbei bemerkt auch in einer Vielzahl über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Sie begeistern viele Menschen – vom ganz kleinen Vereinsmitglied bis zu den Älteren, die generationenübergreifend in die Gemeinschaft ganz selbstverständlich mit eingebunden sind.

Familie Lahn
Familie Lahn