„Schule machen … geht am besten gemeinsam!“

Ein Stadtgespräch mit Petra Schiele

Die Maria-Ward-Realschule in der Oberen Stadt zwischen Hofkirche und Kongregationssaal ist in Neuburg eine Institution. 2022 feierte die Schulfamilie das 175-jährige Bestehen der Schule der Englischen Fräulein. Das Motto des Festaktes „traditionell, innovativ und besonders“ beschreibt auch heute den „Spirit“, den die Schülerinnen und auch immer mehr Schüler gemeinsam mit dem Lehrerkollegium ganz selbstverständlich leben.
Einen großen Anteil daran, dass die „MWS“ als Teil des Schulwerks der Diözese Augsburg in einer christlichen, weltoffenen Tradition wurzelt und gleichzeitig dazu einlädt, auf dem eigenen Weg von der Schule ins Leben inspirierend, fördernd und warmherzig zu begleiten, hat Schulleiterin Petra Schiele.

Petra, du bist jetzt vier Jahre in Neuburg. Wenn man sieht und spürt, was du alles in dieser Zeit in Bewegung gebracht hast, hat man das Gefühl, du wärest schon viel länger hier. Wenn du ein Stück zurückgehst in deine eigene Schulzeit in Donauwörth: Hattest du damals schon das Gefühl, dass dein Weg einmal so aussehen würde, dass du pädagogische Pionierarbeit leisten möchtest?

Während der Schulzeit selbst noch gar nicht. Und während des Studiums hatte ich eine Phase, in der ich mir überlegt habe, eigentlich gar nicht Lehrerin werden zu wollen. Ich musste meinen Eltern allerdings versprechen, auf jeden Fall das erste Staatsexamen zu machen. Ich habe Lehramt gemeinsam mit meiner besten Freundin Barbara Staudigl studiert. Sie ist heute in München Stiftungsdirektorin der Münchner Privatschulen und Universitäten. Wir haben uns damals in der Studentenvertretung engagiert und einige Aspekte des Studiums kritisch hinterfragt. Wir haben uns immer wieder gesagt: „Schule müsste doch auch anders gehen“. Wir beide waren damals mit dem bestehenden Schulsystem sehr unzufrieden.

Studentenvertretung
Studentenvertretung

Was hat euch gestört?

Dass auf dem schulischen Bildungsweg viel mit Angst gearbeitet wurde. Diese ständige Angst vor Prüfungen, aber auch die Unberechenbarkeit – etwa die Frage: „Wie viele Exen schreiben wir heute?“ Man merkt ja, wie sehr Jugendliche sich nach Lehrkräften sehnen, die freundlich und respektvoll mit ihnen umgehen. Und es gibt eben auch Verletzungen, die viele Jugendliche – teilweise sogar noch Erwachsene – mit sich tragen. Manche erinnern sich noch Jahre später sehr genau an Demütigungen aus ihrer Schulzeit. Wie präsent das oft noch im späteren Leben ist, wenn ein Lehrer wirklich gemein war, finde ich bemerkenswert. – Auch dass alle im gleichen Tempo lernen müssen, ist heute nicht mehr realistisch.

Bist du dann gleich in den Schuldienst gegangen?

„Zum Glück“ bekam ich direkt nach dem ersten Staatsexamen meine Tochter Sarah. Danach habe ich zehn Jahre komplett pausiert und gar nichts mehr mit Schule zu tun gehabt. Stattdessen habe ich mir einen Traum erfüllt und eine Ausbildung in Familien- und Lebensberatung absolviert. Eigentlich ist das eine berufsbegleitende Ausbildung, aber in diesem Bereich war ich dann wirklich lange tätig. Ich hatte hier in Neuburg sogar eine eigene Praxis – gemeinsam mit Paul Schneider.
Mich hat damals vor allem eines beschäftigt: Als Lehrerin stehe ich vor einer Gruppe und habe die Aufgabe, junge Menschen für Themen zu begeistern, die sie eigentlich gar nicht interessieren. Da habe ich gemerkt, dass mir das nicht liegt. Das Schöne an der Beratungsarbeit war dagegen, dass ich spürte: Das sind echte Anliegen der Menschen, sie wollen etwas verändern und sind mit vollem Einsatz dabei. Das hat mir viel Freude gemacht.
Ich habe zehn Jahre ausschließlich im Beratungsbereich gearbeitet, war außerdem in der Erwachsenenbildung tätig und habe Vorträge zu unterschiedlichen Themen gehalten. Erst als meine beiden Töchter Sarah und Hanna dann in die Schule gingen, habe ich wieder angefangen. Ich habe nach meinem zweiten Staatsexamen hier in Neuburg – auch in der Maria-Ward-Realschule – in Teilzeit als Lehrerin begonnen, und zwar von 2000 bis 2009. In dieser Zeit habe ich nebenbei noch in der Beratungsstelle gearbeitet und gemeinsam mit Paul Schneider die Praxis geführt.
Als ich dann Konrektorin in Dillingen an der St. Bonaventura Realschule wurde – das war 2009/2010 – habe ich damit aufgehört. Diese beiden sehr spannenden Wege in der Begegnung und Begleitung von Menschen ließen sich zeitlich nicht mehr miteinander vereinbaren. In Dillingen war ich nur ein Jahr im Schulleitungs-Team – und dann bin ich als Schulleiterin an die Maria-Ward-Realschule nach Schrobenhausen gewechselt.
Ich habe die Zeit in Schrobenhausen sehr genossen. Wir waren sehr gut vernetzt – auch über den Landkreis hinaus. Wir sind zum Beispiel durch die Unterstützung der Firma Bauer mit einer kleinen Truppe einmal im Jahr in Berlin eingeladen worden, um über neue Ideen an unserer Schule zu reden. Kontakte waren zum Beispiel MdB Reinhard Brandl – und in den letzten Jahren vor Corona waren wir immer bei Dorothee Bär zu Gast, auch im Kanzleramt … das war sehr inspirierend und spannend!

Besuch bei MdB Dr. Reinhard Brandl (CSU)
Besuch bei MdB Dr. Reinhard Brandl (CSU)

Du warst also schon immer an christlichen Schulen?

Ja, immer innerhalb des Schulwerks der Diözese Augsburg. Dazu gehören insgesamt 46 Schulen. Das ist einer der größten privaten Schulträger in Deutschland.

Gibt es innerhalb dieser Gruppe bestimmte Grundsätze, die überall gelten? Oder hat jede Schule ihre ganz eigene Persönlichkeit?

Grundsätzlich hat jede Schule ihre eigene Persönlichkeit. Der Grund, warum ich überhaupt Schulleiterin werden wollte, war aber, dass mich reformpädagogische Gedanken sehr fasziniert haben. Als Lehrerin habe ich in Obermarchtal eine Ausbildung zum sogenannten „Marchtaler Plan“ gemacht und wollte
diesen unbedingt umsetzen. Darunter versteht man ein reformpädagogisches Bildungs- und Erziehungskonzept. Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und christliche Werten spielen dabei eine besondere Rolle.
Dabei habe ich gemerkt: Wenn man so ein Konzept wirklich verwirklichen will, muss man in die Schulleitung gehen. Also habe ich mich mit dem Marchtaler Plan beworben und gesagt, dass ich gern eine Schule in diesem Stil organisieren und gestalten würde. Das war dann auch der Grund, warum ich die Stelle bekommen habe. In Schrobenhausen hatte mein Vorgänger bereits ein wenig damit begonnen, und man suchte dort jemanden, der das konsequent von der fünften bis zur zehnten Klasse umsetzt.
Ich war und bin außerdem viel in der Lehrerfortbildung tätig. Irgendwann sagte Augsburg dann, man wolle nicht, dass es „Marchtaler Plan“ heißt – schließlich stammt der aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Stattdessen wollte man ein eigenes Augsburger Modell entwickeln. Daraus ist dann das „Afra-Konzept“ entstanden. Nach diesem Konzept arbeiten inzwischen schon einige Schulen. Und jetzt kommt noch das ULI (unser Lernen inspiriert)-Konzept dazu, das in Augsburg umgesetzt wird. Man merkt also: Im Bereich reformpädagogischer Ansätze ist gerade viel in Bewegung – Gott sei Dank.

Und wie spüren Kinder, Eltern oder auch Lehrkräfte diese Veränderungen in der Maria-Ward-Schule konkret? Was hat sich da verändert?

Die Veränderung zeigt sich vor allem darin, dass wir die Woche bewusst damit beginnen, uns Zeit für die Menschen zu nehmen. Es gibt immer eine halbe Stunde „Weltbegegnung“. In dieser Zeit greifen wir Konfliktsituationen auf, sprechen über das Kirchenjahr oder aktuelle Themen.
In der neunten Jahrgangsstufe spielt dort auch die Berufsorientierung eine große Rolle: Wir laden Firmen ein, die sich vorstellen. Das ist inzwischen sehr begehrt, weil die Unternehmen wissen, dass sie am Montagmorgen die gesamte Jahrgangsstufe erreichen. Ich finde das ebenfalls sehr gelungen, weil die Schülerinnen und Schüler über das ganze Schuljahr hinweg immer wieder Input zu verschiedenen Berufsfeldern bekommen. So setzen sie sich zunehmend mit der Frage auseinander, wie es für sie nach der Schule weitergeht.
Auch Themen wie Alltagskompetenzen oder die Verfassungsviertelstunde lassen sich in diese halbe Stunde „Weltbegegnung“ integrieren. Wer sich bei uns als Lehrkraft bewirbt, weiß, was auf ihn zukommt, und trägt dieses Konzept mit. In einigen Klassen gibt es außerdem einen Klassenrat, der ebenfalls im Rahmen der „Weltbegegnung“ stattfindet. Das zweite wichtige Element ist die sogenannte Freiarbeit in der „digitalen Lernwerkstatt“. Der Grundgedanke ist, dass Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum selbstständig arbeiten, in ihrem eigenen Tempo lernen und aus mehreren Fächern
auswählen können. Von Ferien zu Ferien müssen sie ein bestimmtes Arbeitspensum erbringen und melden sich auch selbstständig zu Prüfungen an.

Und das funktioniert?

Ja, das funktioniert. Es war allerdings sehr viel Arbeit. Wir haben unten einen großen Raum, in dem Materialien lagern, die von unseren Lehrkräften in ihrer Freizeit erstellt wurden.
Ein drittes Element ist bei uns der sogenannte vernetzte
Unterricht. Dabei werden Fächer wie Geschichte, Geographie, Biologie und Religion in größeren Themenbereichen zusammengefasst. So kann zum Beispiel das Thema Indien gleichzeitig aus all diesen Perspektiven behandelt werden.
Darüber hinaus umfasst das Afra-Konzept viele alternative Prüfungsformen. So können Schülerinnen und Schüler zu einem Themenbereich etwa einen kurzen Film drehen, ein Theaterstück schreiben oder eine Präsentation erarbeiten.

Hat diese Öffnung für neue Konzepte auch etwas damit zu tun, dass jetzt Jungen die Schule besuchen dürfen?

Das hing wohl auch damit zusammen, dass die Staatliche Realschule einen Neubau bekommen hat. Für die damalige Schulleiterin Sonja Kalisch war deshalb klar: Wenn schon ein großer Neubau entsteht, ist es sinnvoll, die Schule für Jungen und Mädchen zu öffnen. Daraufhin wurde beschlossen, das Schul-
system an der Staatlichen Realschule koedukativ zu gestalten.

Hast du das Gefühl, dass es bereichernd ist – oder auch anstrengend –, dass jetzt Jungen unterrichtet werden? Oder kann man das gar nicht so pauschal sagen?

Ich merke, dass die Jungen sehr gerne zu uns kommen. Wir hatten relativ schnell viele Anmeldungen. Manchmal denke ich allerdings, dass das Gebäude nicht ganz ideal ist, weil wir hier sehr hochwertige Materialien haben, die in diesem Alter noch nicht immer entsprechend wertgeschätzt werden. Außerdem fehlen uns für Jungen noch mehr Bewegungsräume. Sie bräuchten einfach mehr Platz, um Fußball zu spielen oder sich anders auszutoben. Das fehlt hier.

Wie geht ihr an der Maria-Ward-Schule mit dem Thema Mobbing um?

Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass sie jederzeit zu uns kommen können. Wir haben viele Anlaufstellen, an denen Probleme wie Mobbing besprochen werden können. Ich denke, dass wir gerade auch in der Veranstaltung „Weltbegegnung“ am Montagmorgen viel darüber sprechen, wie Konflikte gelöst und bewältigt werden können.
Uns interessiert sehr, wie es unseren Kindern geht – auch wenn das viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber ich finde es wichtig und schön, wenn Schülerinnen und Schüler hereinkommen und sagen: Da gibt es ein Problem, können wir kurz sprechen? Und wenn jemand etwas zunächst vertraulich besprechen möchte, dann bleibt das auch wirklich bei mir. Darauf können sie sich verlassen.

Wir haben Beratungslehrkräfte und Verbindungslehrkräfte. Außerdem ist zweimal im Monat jemand von der Erziehungsberatungsstelle den ganzen Vormittag bei uns, sodass wir den Kindern auch ein externes Angebot machen können, wenn sie nicht mit einer Lehrkraft sprechen möchten.
Spannend ist auch, dass wir zweimal im Jahr eine Beicht-
praxis an der Schule haben: einmal vor Weihnachten und einmal vor Ostern. Dieses Angebot wird von den Kindern sehr aktiv genutzt, weil sie wissen, dass dort Schweigepflicht gilt.
Für diese Gespräche stehen drei katholische Pfarrer und unser evangelischer Pfarrer Klaus Kuhn bereit – jeweils einen ganzen Vormittag lang. Die Pfarrer sitzen dabei nicht im Beichtstuhl, sondern jeweils an einem Platz im Kongregationssaal. Man sieht sich also. Das etwas Bedrohliche, was man vielleicht aus der eigenen Kindheit kennt – der dunkle Beichtstuhl, das Knien vor dem Priester auf der anderen Seite und das Ausgeliefertsein zwischen Schuld und Scham – ist einem empathischen Austausch auf Augenhöhe gewichen. Die Gespräche finden in einer sehr ruhigen Atmosphäre statt.

erweitertes Schulleitungsteam
erweitertes Schulleitungsteam

Sind deine Kinder auch mit so viel Freiraum aufgewachsen – also mit der Möglichkeit, sich auszuprobieren, und gleichzeitig behütet zu sein?

Ich glaube schon. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen beiden Töchtern und genieße es sehr, jetzt auch Enkelkinder zu haben. Sie sind beide hier in der Nähe geblieben. Hanna wohnt mit ihrem Mann in Straß, und dort kommt jetzt im Mai Nachwuchs. Sarah wohnt in Donauwörth im Haus meiner Großeltern, das sie gemeinsam mit ihrem Mann umgebaut hat. Dort gibt es Hermine, acht Jahre alt, und Felix, fünf Jahre alt. Ich muss wirklich sagen: Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt.

Begrüßung im Kongo
Begrüßung im Kongo

Neue Perspektiven gewinnen, vernetzt denken und mit anderen Menschen an spannenden Projekten arbeiten – das war dir auch außerhalb der Schule immer schon wichtig. Du hast vor einigen Jahren das Projekt KIVUVU im Kongo mitbegründet … wie kam der Kontakt zustande und was ist seitdem passiert?

Als ich den Initiator Serge Senzedi im Jahr 2011 kennenlernte, war er Kaplan in Schrobenhausen. Schon damals erzählte er von einem großen Traum: In seiner Heimat Kisela im Kongo wollte er eine Schule bauen, damit Kinder dort bessere Bildungs- und Zukunftschancen erhalten.
Aus dieser Idee entstand bald mehr. Gemeinsam gründeten wir den Verein KIVUVU, um dieses Vorhaben Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen. 2015 reiste ich schließlich zum ersten Mal gemeinsam mit einer Kollegin und deren Mann zusammen mit Serge Senzedi nach Kinshasa. Von dort waren wir mehrere Tage unterwegs, bis wir in Kisela ankamen. Dort stand bereits das erste fertige Klassenzimmer – ein bewegender Moment, der zeigte, dass aus einem Traum Realität werden kann.
Seitdem ist viel geschehen. Inzwischen stehen auf dem Gelände drei Klassenzimmer, ein Verwaltungsgebäude und ein großer Wasserspeicher. Inzwischen war es möglich, auch eine Krankenstation aufzubauen – ein weiterer wichtiger Schritt für die Menschen im Dorf.
All das wäre ohne die Unterstützung vieler nicht möglich gewesen. Aber gemeinsam – mit KIVUVU – haben wir viel auf den Weg bringen können. Zahlreiche Schulen, Pfarreien, Freundinnen und Freunde von uns allen haben durch Spenden und Engagement dazu beigetragen, dass dieses Projekt wachsen konnte.
Besonders beeindruckend war dabei immer das gemeinsame Prinzip: Wir stellen das Nötigste zur Verfügung – und die Menschen vor Ort leisten ihren eigenen, unverzichtbaren Beitrag. Die Dorfbewohner sammeln Steine und schlagen sie zu Kies. Mit einfachen „Backformen“ werden Ziegel hergestellt, die anschließend in der Sonne trocknen. Stein für Stein entsteht so etwas Dauerhaftes. Auf diese Weise bauen alle gemeinsam an ihrer Zukunft. Unser Leitgedanke war dabei stets derselbe: Hilfe zur Selbsthilfe. Und genau dieses Miteinander hat aus einer Idee ein lebendiges Projekt werden lassen.

„Urwaldmusical“, eigener MWS Instagram Channel, Indien-Austausch – diese drei Begriffe spannen einen Bogen, der begeistert und für ein Schulklima sorgt, das einen weiten Horizont mit einem geschützten Raum verbindet, wo man sich ausprobieren und sich geborgen fühlen kann. Worum handelt es sich bei dem „Indien-Abenteuer“ der MWS?

Mein Chef hat mich angerufen, weil er weiß, dass ich für neue Ideen immer offen bin. Er fragte mich, ob ich Interesse daran hätte, einen Schüleraustausch mit Indien aufzubauen. Er war vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Weihbischof in Indien und hatte dort im Rahmen dieser „Indian Connections“ interessante christliche Schulen kennengelernt. Diese Schulen hatten Interesse an einer Partnerschaft mit Deutschland. Daraufhin hat er passende Schulleitungen in Deutschland gesucht, die ebenfalls Freude an so einem Projekt haben.
Wir haben zunächst eine Videokonferenz mit den indischen und deutschen Lehrkräften gemacht und uns kennengelernt. Danach haben wir per E-Mail weitergeschrieben, bis der Austausch schließlich zustande kam.

Und wie war es für euch in Indien?

Einfach wunderschön! – Wir waren vom 27. Oktober bis 9. November mit 18 Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen, meiner Kollegin Alexandra Nikolic und dem Elternvertreter Michael Jaschek bei unserer Partnerschule Christ School in Bangalore – einer der am schnellsten wachsenden Metropolen Indiens und bedeutendem IT-Standort vieler deutscher Unternehmen. Unser Programm war abwechslungsreich und kulturell wie schulisch bereichernd: Unterrichtsbesuche, gemeinsame Projektarbeit zu Nachhaltigkeit und Wasserwirtschaft, eine Safari im Bannerghatta National Park, ein Tagesausflug nach Mysore sowie Begegnungen mit Schülern aus Schweden gehörten dazu. Ein eindrucksvolles Erlebnis war zudem der Blick auf den intensiven Verkehr der Millionenstadt – für viele von uns eine völlig neue Erfahrung. Für unsere Schulfamilie war der Besuch und der Austausch ein wichtiger Schritt, um Weltoffenheit, Toleranz und selbstverständliches kulturelles Interesse zu leben.

Besonders fasziniert hat mich, dass die Schule in Indien zwar eine christliche Schule ist, aber 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler Hindus sind. Die Menschen feiern die hinduistischen Feste und zusätzlich auch die christlichen Feste miteinander. Diese Offenheit finde ich einfach einmalig! – Kurz bevor wir kamen, war Diwali, das Lichterfest, gefeiert worden. Wir haben noch viel Dekoration gesehen, und einiges war noch aufgebaut. So ein richtiges hinduistisches Fest würde ich sehr gern einmal bewusst miterleben. Ich war auch in einem Hindutempel. Solche Dinge selbst wahrzunehmen – einfach dazustehen, zu beobachten, die Gerüche aufzunehmen – das würde ich sehr gerne noch intensiver erleben. Das wäre mein nächstes Ziel.

Und der Besuch bei euch findet jetzt auch bald statt?

Die Schülerinnen und Schüler kommen jetzt am 16. April und bleiben zwei Wochen bei uns. Das ist der Gegenbesuch: Die Austauschpartnerinnen und -partner des ersten Besuchs unserer Schülerinnen und Schüler in Indien kommen dabei nach Neuburg. Das Programm steht so gut wie fest. Wir wollen die entstandenen Freundschaften vertiefen – und auch darüber hinaus im Gespräch bleiben. Es gibt sogar schon eine weitere Idee: Wir wollen als MWS mit daran arbeiten, dass es für indische Schülerinnen und Schüler leichter wird, nach Deutschland zu kommen und hier zu arbeiten. Deshalb verfolgt mein Chef Direktor Peter Kosak die Idee, dass indische Schülerinnen und Schüler vielleicht einmal bei uns einen deutschen Abschluss machen können.

Hast du das Gefühl, dass die Maria-Ward-Schule den Menschen, die hier zur Schule gehen oder hier arbeiten, auch Halt gibt – als geschützter Raum mit viel Freiheit zum Ausprobieren und Wachsen für das Leben da draußen?

Das wäre mein Wunsch. Von Maria Ward, unserer Namenspatronin, stammt der Satz „Tue Gutes – und tue es gut“. Diesen Wunsch, der auch an uns gerichtet ist, beherzigen wir als Kollegium und in der Verwaltung der Maria-Ward-Realschule Neuburg. Denn diese Schule – das bin ja nicht nur „ich“. Schule machen geht am besten gemeinsam.
Deshalb hoffe ich, dass unsere Schule für viele auch eine zweite Heimat ist. Während Corona hat man sehr deutlich gemerkt, wie schwierig es ist, wenn dieses zweite Standbein im persönlichen Leben neben der Familie plötzlich fehlt.

Das galt auch für unser Kollegium. Wir haben wirklich ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Wir waren erst gemeinsam in Ingolstadt bowlen – die ganze Gruppe. Das ist schon etwas sehr Schönes. Zu meinem Geburtstag haben sie sich jetzt sogar zu einem Whiskyabend bei mir zuhause eingeladen. Es ist wirklich eine große Freude für mich, an diesem Ort mit diesen Menschen junge Menschen auf ihrem Weg ins Leben ein Stück begleiten zu dürfen.

Familie
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