„Neuburg hat mich fasziniert“

Hans-Günter Huniar hat von Anfang an sein Herz für Neuburg entdeckt

Es gibt Menschen, die kommen nach Neuburg an der Donau – und bleiben dieser Stadt für immer verbunden. Hans-Günter Huniar, 18 Jahre lang Oberbürgermeister in unserer Heimatstadt, ist einer von ihnen.

Als junger Jurist lernte er Neuburg zunächst durch seine Arbeit am Amtsgericht kennen. Geboren in Niederbayern, aufgewachsen in München, führte ihn sein beruflicher Weg über das Landesjustizprüfungsamt im Bayerischen Justizministerium, die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt, als Einzelrichter für Strafsachen in Ingolstadt und Neuburg sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe schließlich ganz nach Neuburg.
Bereits als Einzelrichter für Strafsachen, wo er an drei Tagen pro Woche Sitzungsdienst am Amtsgericht Neuburg hatte, lernte Hans-Günter Huniar Juristenkollegen kennen, die die Residenzstadt in den 80er Jahren prägten – unter anderem Wilfried Schleer und Anton Sprenzel, der heute Ehrenbürger der Stadt Neuburg ist. „Die besondere Atmosphäre mit der historischen Altstadt über der Donau und ihrer reichen Geschichte, die Menschen mit ihrer Mischung aus Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit, Eigenständigkeit und bayerischer Gelassenheit haben mich fasziniert“, so Hans-Günter Huniar rückblickend.
Nach nur einem Jahr folgte die nächste berufliche Station: Ende 1983 arbeitete Hans-Günter Huniar als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Eigentlich war dort eine mehrjährige Tätigkeit geplant. Doch dann kam ein Anruf aus Neuburg: Ob er sich vorstellen könne, als Oberbürgermeister zu kandidieren.
Was zunächst wie ein „vorgezogener Aprilscherz“ klang, wurde schnell ernst. Nach Gesprächen mit engagierten Neuburger Persönlichkeiten wie Stadtrat Matthias Schieber und Rechtsanwältin Gräfin Du Moulin sagte Hans-Günter Huniar zu: „Ich dachte zwar, dass ich wahrscheinlich kaum eine Chance hätte, aber ich fand die Idee reizvoll, zumal es sich um eine unabhängige Gruppierung handelte. Parteipolitisch war ich nicht gebunden. Für die DU, die Unabhängigen, musste ich mich sehr schnell entscheiden, weil die Nominierungsfrist Anfang Januar lag. – Den Wahlkampf führten wir praktisch nur an den Wochenenden. Ich hatte eine großartige Mannschaft: junge Leute, Unternehmer, Selbstständige, Bundeswehrangehörige, eine sehr gemischte Gruppe. Das war eine unglaublich spannende Zeit“.

Hans Günter Huniar beim Fußball - auch hier Teamplayer und nah bei den Menschen
Hans Günter Huniar beim Fußball – auch hier Teamplayer und nah bei den Menschen


Der Wahlkampf gestaltete sich sehr nahbar. Er war geprägt von Begegnungen – vielfältig, intensiv und immer sehr persönlich. An den Wochenenden zog Hans-Günter Huniar mit Unterstützern durch die Stadtteile, sprach mit Bürgerinnen und Bürgern, verteilte Informationszettel und lernte Neuburg von Grund auf kennen: das Ostend, Heinrichsheim, Bruck und viele weitere Ortsteile. Die Menschen nahmen ihn an und er spürte, dass er mit diesem Team und seinem Einsatz durchaus eine realistische Chance hatte, zu gewinnen: „Ich sagte mir: Wenn ich es in die Stichwahl schaffe, wäre das schon ein großer Erfolg. Genau so kam es – und schließlich haben wir auch die Stichwahl gewonnen“.

Damit begann 1984 eine Amtszeit, die Neuburg nachhaltig prägen sollte. Hans-Günter Huniar erinnert sich: „Nach dem Wahlkampf gab es im Stadtrat zwar gelegentlich noch Reibungen, aber ich merkte schnell, mit wem ein konstruktiver Austausch möglich war. Viele kannte ich ja überhaupt nicht. Nach und nach entstanden Beziehungen, bei denen klar wurde: „Wir müssen nicht in jeder Sachfrage einer Meinung sein, aber es gibt einen gemeinsamen Grundkonsens in der Haltung.“. Schließlich verfügte die neue Partei DU neben meinem Mandat als Oberbürgermeister nur über drei Sitze im Stadtrat. Ein großes Glück war für mich der 2. Bürgermeister Werner Hommel. Er hat mir zwölf Jahre lang den Rücken freigehalten und in schwierigen Fragen auch in seine Fraktion hinein vermittelt. Sehr gut verstand ich mich außerdem von Anfang an mit Paul Huber, meinem Gegenkandidaten. Er war später 3. Bürgermeister und ein hervorragender Finanzreferent. Mit der SPD entstanden ebenfalls tragfähige Arbeitsbeziehungen. Mit Horst Gutjahr konnte ich später wichtige Dinge umsetzen, etwa den Schulstandortwechsel der Marstallschule.“ – Es war eine Zeit, in der im Stadtrat auch einmal leidenschaftlich gestritten wurde – aber mit Respekt voreinander und mit dem gemeinsamen Ziel, das Beste für Neuburg zu erreichen.

Mit der Zeyt gehen – für ein selbstbewusstes Neuburg

Die Stadt entwickelte auf Initiative von Hans-Günter Huniar und seinem Stadtrat Schulen weiter, modernisierte Infrastruktur und stellte wichtige Weichen für die Zukunft. Besonders am Herzen lagen Hans-Günter Huniar die Stadtwerke. Während andernorts kommunale Einrichtungen privatisiert wurden, entschied sich Neuburg bewusst für Eigenständigkeit: „Wir haben die Stromnetze in den Stadtteilen und das Gasnetz erworben. Das war eine Zeit, in der die große Politik in München unter Ministerpräsident Edmund Stoiber stark auf Privatisierung setzte. Seine Direktive war bayernweit: „Gebt eure Stadtwerke ab oder holt private Gesellschafter hinein. – Wir wollten aber Herr im eigenen Haus bleiben. Deshalb haben wir keine Anteile verkauft, sondern die Stadtwerke Schritt für Schritt ausgebaut. Ursprünglich ging es im Wesentlichen um die Stromversorgung im Stadtkern und die Wasserversorgung. Daraus ist eine deutlich breitere Struktur entstanden. Das war eine Entscheidung, die wir im Stadtrat damals einstimmig getroffen haben – auch mit der CSU, obwohl die damalige Linie der bayerischen Staatsregierung in eine andere Richtung zeigte.“
Für Hans-Günter Huniar war das weit mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung. Es war ein Bekenntnis zur Selbstständigkeit der Stadt: „Eine Stadt wie Neuburg, davon war ich fest überzeugt, muss ihre Zukunft selbst gestalten können.“

Hans Günter Huniar beim Stadtbusstart - mit den breit aufgestellten Stadtwerken für Neuburgs Infrastruktur
Hans Günter Huniar beim Stadtbusstart – mit den breit aufgestellten Stadtwerken für Neuburgs Infrastruktur

Der Blick nach Westen – Neuburg neu denken

Ebenso intensiv beschäftigte ihn die langfristige Entwicklung Neuburgs. Früh erkannte er die Bedeutung einer Verlegung der Bundesstraße B 16 und eine stärkere Entwicklung der Stadt nach Westen. Die Stadt, so die Überzeugung von Hans-Günter Huniar, müsse Raum für kommende Generationen schaffen und strategisch denken. Grundstücke wurden gesichert, Perspektiven eröffnet, Planungen vorbereitet – oft mit großem Weitblick und gegen Widerstände. „Nachdem die Bundeswehr 1993 die Kaserne räumte, war für mich die bahnparallele Trasse ein zentrales Thema. Gemeinsam mit Christoph Spindler im Landratsamt habe ich dafür gearbeitet, Kreuth zur Stadt Neuburg umzumarken und die Stadtentwicklung stärker nach Westen auszurichten. Das entsprach auch dem Döllgast-Plan – Professor Döllgast war ein bedeutender deutscher Architekt, Grafiker und Hochschullehrer, der eng mit unserem Neuburg an der Donau verbunden war. Er hatte immer betont, Neuburg müsse sich stärker nach Westen entwickeln, weil die Stadt unorganisch nach Osten gewachsen sei. – Deshalb war mir dieses Anliegen sogar wichtiger als die zweite Donaubrücke, die wir natürlich ebenfalls untersucht und durch Grundstückskäufe planerisch abgesichert haben. Mir ging es darum, Flächen strategisch zu sichern, damit die Stadt Neuburg handlungsfähig bleibt – auch wenn eine Entscheidung darüber vielleicht erst in der nächsten Generation fällt.“

Neuburg knüpft international Freundschaften

Besonders gerne erinnert sich Huniar an die internationale Seite seiner Amtszeit: „Das war für mich eine Herzenssache. Die Partnerschaft mit Sète und die internationalen Begegnungen haben mir große Freude bereitet. Leider war ich seit vielen Jahren nicht mehr in Sète, aber die Verbindung bleibt etwas Besonderes. Sehr lebendig erinnere ich mich auch an den Besuch des damaligen Bürgermeisters von Shinshiro, des japanischen „Newcastle“. Dr. Dieter Distl hatte den Kontakt eingefädelt. Wir luden den Bürgermeister aus Japan zum Weißwurstessen beim Neuwirt ein – eine wunderbare Begegnung. Wir haben uns sehr gefreut, als „unser Neuburg“ in den Kreis der „Newcastles of the World“ aufgenommen wurden – schließlich hatte Herr Yamamoto deutschlandweit Städte mit dem Namen Neuburg besucht.“
Auch kulturell entwickelte sich in diesen Jahren vieles. Projekte wie die Flämische Galerie oder zahlreiche Maßnahmen der Stadtsanierung wären ohne Fördermittel kaum möglich gewesen. „Neuburg war nicht reich, aber wir erhielten viel Unterstützung“, erklärt Hans-Günter Huniar. „In München hatten wir ein sehr gutes Standing, und auch bei der Regierung von Oberbayern war Neuburg gut angesehen. Wenn wir mit den zuständigen Stellen sprachen und um Unterstützung baten, fand sich häufig ein Förderprogramm, etwa aus der Städtebauförderung, oder ein anderer Titel. Diese Unterstützung war wichtig.“ – Vielleicht lag das auch daran, dass Neuburg immer eine Stadt war, die wusste, wer sie ist. Eine Stadt mit Geschichte. Mit Charakter. Mit Menschen, die sich engagieren. Wie Hans-Günter Huniar.

Einkaufen in Neuburg soll zum Erlebnis werden

Seit den 70er Jahren hatte sich die City-Werbegemeinschaft Neuburg mit Luitpold Bullinger, Harold Lierheimer, Georg Dunz und anderen Gefährten engagiert, um das „Kaufhaus Neuburg“ in der Region bekannt zu machen. Diese Initiative erhielt von verschiedenen Seiten große Unterstützung, um Handel und Gewerbe vor Ort bei den Kundinnen und Kunden positiv zu verankern: “Es gab mehrere Persönlichkeiten, die von Anfang an stark angeschoben haben, wie Frank Fitzek und Michael Bickel. Damals fanden viele Veranstaltungen statt; viele kreative Ideen, wie der „Packerlturm“ zur Weihnachtszeit auf dem Schrannenplatz, haben Neuburgs Image geprägt.
Wir haben versucht, die Beteiligten aus Werbegemeinschaft und Einzelhandelsverband zusammenzubringen. Sehr gut verstanden habe ich mich mit Peter Stowasser und auch mit Herrn Lahme. Wir haben zwar manchmal durchaus gestritten, aber wir haben miteinander gesprochen. Das war entscheidend. Denn genau daraus konnte auch etwas entstehen. Man musste gelegentlich den eigenen Standpunkt überdenken und sich fragen, ob eine Korrektur notwendig ist. Das halte ich bis heute für entscheidend – unabhängig vom konkreten Thema. – Und das wünsche ich heute, in einer kommunal wie weltpolitisch herausfordernden Zeit, den neuen Verantwortlichen unserer Heimatstadt, Gerhard Schoder und seinen beiden Stellvertretern Hans Habermeyer und Helena Schlusnus. Sowie dem gesamten neuen Stadtrat. Seid Euch der Verantwortung bewusst – denn es geht nicht um das persönliche Ansehen oder das eigene Standing: Ihr dient Neuburg. Erweist Euch dieser Aufgabe würdig – verbindet Euch in dem, was Euch eint. Dann werdet Ihr Euch auch in anderen Fragen gut aufeinander zubewegen können. Darin liegt eine besondere Stärke unserer Stadtgemeinschaft.“

Neuburg weiter verbunden bleiben

Nach seiner Zeit als Oberbürgermeister kehrte Hans-Günter Huniar nicht in die Justiz zurück. Stattdessen arbeitete er rund 20 Jahre als Rechtsanwalt in Ingolstadt. Doch Neuburg bleibt Mittelpunkt seines Lebens. Er erfreut sich immer noch an den kulturellen Angeboten der Stadt, besucht Theater und Konzerte – oder fährt mit dem Fahrrad entlang der Donau. Besonders wichtig sind ihm inzwischen seine vier Enkelkinder – „ein Fulltime-Job“, lacht Hans-Günter Huniar.
Er kam einst als junger Jurist nach Neuburg – und blieb, weil ihn diese Stadt berührte. Fast zwei Jahrzehnte lang gestaltete er ihre Entwicklung mit. Mit Weitblick, großem Respekt vor ihrer Geschichte, kreativem Innovationsgeist und herzlicher Verbundenheit. Hans-Günter Huniar wurde aufgrund seiner herausragenden Leistungen die Ehrenbürgerwürde unserer Stadt verliehen.
Seine Lebensleistung lässt sich nicht nur in Projekten oder Entscheidungen messen. Sie zeigt sich vor allem in seiner Haltung gegenüber Neuburg: aufmerksam, engagiert und voller Wertschätzung für die Stadt und ihre Menschen.

Hans Günter Huniar beim Volksfestumzug
Hans Günter Huniar beim Volksfestumzug