„Neuburg anno dazumal … die Zeitmaschine läuft! Kennt ihr euch aus?“ – mit dieser Rubrik begeistert Pressesprecher Bernhard Mahler nicht nur in den sozialen Medien die Freundinnen und Freunde unserer Stadt. Auch im Kino sind seine Schätze in regelmäßigen Abständen zu sehen – diese Vorstellungen sind stets ausverkauft.
Ab jetzt zu zweit abwechselnd aktiv
Ab dieser Ausgabe von HALLO Neuburg erscheinen in dieser Rubrik abwechselnd Beiträge von Bernhard Mahler und Harald Müller – die beiden Spezialisten für Geschichte in Stadt und Land freuen sich, gemeinsam für HALLO Neuburg aus ihrem reichen Archivschatz und historischen Quellen zu berichten.
Seit 2015 ist Harald Müller 1. Vorsitzender der Landkreisgästeführer. Als Botschafter unseres Landkreises trägt er den Charme unserer Heimat mit ihrer Mischung aus Stadt- und Landgemeinden, eng verwoben mit beeindruckenden Kultur- und Naturdenkmälern, in unsere Region.
Die Ringmeierbucht – wo einst Motorboote gebaut wurden
Wer heute an der Ringmeierbucht an der Donau spazieren geht, sieht ein stilles, grünes Stück Neuburg: das Vereinsheim der Hundefreunde, den sogenannten „Überlauf“, Wasser, Bäume und viel Ruhe. Kaum jemand ahnt, dass genau hier einst Motorboote gebaut wurden – und dass der Name der Bucht auf einen echten Pionier des Bootsbaues zurückgeht.
Namensgeber war der Bootsbauer Ludwig Ringmaier – in der ursprünglichen Schreibweise ohne „e“. In den 1920er-Jahren kam er von Herrsching am Ammersee nach Neuburg an der Donau, angelockt von der Hoffnung, die Donau als modernen Verkehrsweg neu zu beleben. Gemeinsam mit seinen Söhnen Dominikus und Karl begann er, elegante Motorboote zu bauen. Zunächst arbeitete die Familie in der Marstallhalle, später direkt am Fluss, nahe dem heutigen Fischerheim – dort, wo sich heute die Ringmeierbucht öffnet.
Ringmaiers Boote galten als besonders formschön und vor allem als kentersicher. Eines von ihnen war sogar mit einer kleinen Kajüte ausgestattet – für die damalige Zeit durchaus ambitioniert. Doch die Donau war kein einfaches Revier. Ausgerechnet dieses Kajütboot sank später in der Brandlbucht. Der Grund war weniger ein Konstruktionsfehler als vielmehr ein unerfahrener Steuermann. Ringmaiers großer Plan, eine regelmäßige Motorbootverbindung zwischen Neuburg und Ingolstadt einzurichten, ließ sich ebenfalls nicht verwirklichen.
Trotzdem hinterließ Ludwig Ringmaier Spuren. Seine Nachkommen betreiben bis heute eine Bootswerft am Ammersee. Außerdem war Ringmaier 1923 Mitgründer des Diesener Segelclub – ein Hinweis darauf, wie sehr ihn alles bewegte, was mit Wasserwegen zu tun hatte.
Die Geschichte der Ringmeierbucht ist damit eingebettet in einen größeren Zusammenhang: den jahrzehntelangen Versuch, die obere Donau schiffbar und wirtschaftlich nutzbar zu halten. Bereits 1837 begann in Neuburg die Dampfschifffahrt. Doch starke Strömungen, wechselnde Wasserstände und schließlich der Bau der Donautalbahn im Jahr 1874 machten den Betrieb zunehmend unrentabel. Immer wieder gab es neue Anläufe: 1894 mit dem Dampfer Ebersberg, 1909 mit dem Raddampfer Donau und 1913 mit dem Motorlastschiff Bayern. Letzteres scheiterte spektakulär – bei seiner ersten Fahrt musste es von zwölf Pferden mühsam durch Neuburg gezogen werden.
Heute ist von all dem nur noch wenig sichtbar. Die Grundmauern der ehemaligen Werft sind noch zu erahnen, ebenso zwei Masten der einstigen Fähre. Wer sie kennt, sieht in der Ringmeierbucht mehr als einen idyllischen Uferplatz: einen Ort, an dem Technikbegeisterung, Unternehmergeist und der Traum von der Donau als Verkehrsader für kurze Zeit Wirklichkeit wurden.
So erzählt die Ringmeierbucht leise von einer Phase Neuburger Geschichte, die fast vergessen ist – und gerade deshalb ihren besonderen Reiz hat.
