179.000 Ausleihen, 31.000 Medien, 3.200 Kunden und wöchentlich kommt ein Dutzend Neue dazu – mit ihren Zahlen kann die Neuburger Stadtbücherei beeindrucken. Doch Stefanie Martin geht es nicht um Statistik. Die Chefin im Bücherturm will mit ihrem Team möglichst viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Lesen bringen.
„Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten“, so sieht es der Schriftsteller Aldous Huxley. Die Universität Yale hat sogar mit einer Studie herausgefunden, dass Lesen glücklich und empathisch mache, das Gehirn trainiere und das Leben verlängern könne. So weit will Büchereileiterin Stefanie Martin nicht gehen, aber dass Lesen bildet und die Teilhabe an der Gesellschaft erst ermöglicht, da ist sie sich sicher. Deshalb will sie die gute Resonanz im Bücherturm stärken und vor allem die Angebote für den Nachwuchs erweitern.
Der Turm am Sèter Platz ist für dieses Ziel eine attraktive Anlaufstelle. Bei der Eröffnung 1991 gab es auch Kritik wegen der exorbitanten Kostensteigerung. Nach und nach sind die Mängel des gläsernen Turms beseitigt worden und die Stadtbücherei konnte sich etablieren. Als Architekt Werner Gaenssler heuer überraschend in „seinem“ Neuburger Bücherturm vorbeischaute, freute er sich über die Bestandspflege des Gebäudes und die Hochkonjunktur der Ausleihen.
Stefanie Martin hat seit ihrem Dienstantritt vor vier Jahren einiges geändert: die Ausleihtheke versetzt, mehr Aufenthaltsräume geschaffen und neue Veranstaltungen organisiert. Die Bücherei soll noch stärker zum Treffpunkt für Begegnungen und Austausch werden, auch für stille Momente in der Stadt. Stefanie Martin hatte für Verlage gearbeitet und findet sich nun mit einer „sinnstiftenden Arbeit“ genau am richtigen Platz. Vorher hatte Ralf Zaffrahn die Bücherei geleitet, er war bereits 1991 sozusagen Mann der ersten Stunde gewesen.
Im 75. Jubiläumsjahr der Stadtbibliothek ist neue Technik mit einem Selbstverbuchungsterminal für Benutzer eingeplant. Die Bücher werden dann mit Chips ausgestattet. Neben Lesungen für Kinder und Erwachsene, den Kooperationen mit den Kindergärten und Schulen der Stadt sowie den Kunstausstellungen organisiert Stefanie Martin regelmäßig Veranstaltungen. Dazu gehören der beliebte MINTwoch, am ersten Mittwoch eines jeden Monats, der Kindern im Grundschulalter die Naturwissenschaften näher bringt und der „Lese- und Lauschnachmittag für Senioren“. Bei der Reihe „Lebensthemen – Gespräche mit Weitblick“ in Kooperation mit der VHS kommen die Teilnehmenden zu wechselnden Themen ins Gespräch, tauschen Meinungen aus, diskutieren, und das alles in gemütlicher, wertschätzender Atmosphäre. Als einzige Bibliothek in Bayern ist der Bücherturm in diesem Jahr zudem Teil des Projekts „Land.schafft.Demokratie“ und kann damit fünf Veranstaltungen zur Demokratieförderung kostenfrei organisieren.
Von den Stadträten im Kulturausschuss gibt es viel Lob für diese gute Entwicklung. Bürgermeister Johann Habermeyer lobte nicht nur das operative Ergebnis, sondern auch die klaren, überprüfbaren Ziele, die sich die Bücherei setzt.

Der aktuelle Buchtipp
Stefanie Martin empfiehlt für die kommenden Wochen der kühleren Jahreszeit ein Buch, das aktuell besonders gefragt ist: „Yesteryear“ von Caro Claire Burke. Die Autorin wirft mit ihrem Roman einen kritischen Blick auf die Gesellschaft und ihren Druck besonders auf Frauen und Mütter. Das Buch ist in der Neuburger Bibliothek mehrmals vorgemerkt.
Auch der Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr ist für Stefanie Martin eine beeindruckende Geschichte. Sie spielt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und erzählt die Wege und Begegnungen des blinden französischen Mädchens Marie-Laure und des deutschen Wehrmachtssoldaten Werner. Der preisgekrönte Roman ist verfilmt worden.
Neue Bücher für den Herbst
Mit den ersten kühleren Tagen wächst auch wieder die Lust auf gemütliche Lesestunden. Drei aktuelle Neuerscheinungen bieten dafür ganz unterschiedliche Geschichten – vom spannenden Thriller über große Gefühle bis zum liebevoll erzählten Kinderbuch.
Spannung mit „Totensee“
Mit „Totensee“ legt Sophie Czerny einen Psychothriller vor, der am 1. September erschienen ist. Im Mittelpunkt steht die suspendierte Wiener LKA-Kommissarin Ada Sabel, deren 14-jährige Tochter seit Monaten verschwunden ist. Als am Donaukanal eine Leiche mit einer Botschaft an Ada gefunden wird, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln – und kommt dabei auch ihrer eigenen Vergangenheit gefährlich nahe.
Herbstgefühle in „Forever Autumn“
Romantischer wird es in „Forever Autumn“ von Emma Jacobsen. Der Liebesroman ist Anfang August erschienen und erzählt von Celia, die nach einer schweren Zeit ihr Leben neu genießen möchte. Als der geheimnisvolle Milo eines Herbstmorgens in ihrem Café auftaucht, scheint auch die Liebe wieder einen Platz darin zu finden. Doch zwischen den beiden steht ein Geheimnis.
Ein kleines Wesen zwischen zwei Welten
Für die jüngsten Bücherfans ist „Das kleine Pingodil“ von Teresa Hochmuth eine schöne Neuerscheinung. Das Bilderbuch, illustriert von Dominik Rupp, ist am 26. August erschienen und richtet sich an Kinder ab vier Jahren. Pina ist halb Pinguin, halb Krokodil und wächst mit zwei ganz unterschiedlichen Familien auf. Warmherzig erzählt die Geschichte davon, dass Anderssein etwas ganz Besonderes sein kann und man sich in mehr als einer Welt zu Hause fühlen darf.