Nach einem spannenden Kommunalwahlkampf und zwei intensiven Wochen vor der Stichwahl hat die Neuburger Bevölkerung Gerhard Schoder, gemeinsamer Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen und SPD, am 22. März mit 58,8 % der abgegebenen Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Mit großer Mehrheit hat sie ihm das Vertrauen geschenkt, dieses verantwortliche Amt für unsere Heimatstadt zu übernehmen.

Bereits an seinem Amtsantritt, dem 1. Mai, besuchte Gerhard Schoder verschiedene Veranstaltungen, zum Beispiel die Maikundgebung des DGB auf dem Schrannenplatz, wo er mit seiner ersten Rede als Oberbürgermeister an seine Haltung als Stadtrat anknüpfte:
Brückenbauen von Mensch zu Mensch, Zuhören und ein Miteinander, das trägt … das sind für Gerhard Schoder Herzensangelegenheiten. Auch beim Start des Stadtradelns am Nachmittag war er als passionierter Radfahrer aus Überzeugung präsent. Und es blieb auch noch Zeit, das Maibaumfest in Feldkirchen zu besuchen.
Gerhard, viele Menschen in Neuburg möchten den neuen Oberbürgermeister besser kennenlernen.
Du bist hier aufgewachsen, später nach München, Ulm und New York gegangen und schließlich wieder nach Neuburg zurückgekehrt. Wie blickst du jetzt – mit einer ganz neuen Verantwortung für dieses Amt – auf deinen bisherigen Weg in deiner Heimatstadt und darüber hinaus?
Ich bin ein Kind dieser Stadt. Ich bin am Karlsplatz aufgewachsen, in die Amalienschule und die Marstallschule gegangen. Danach habe ich am Descartes-Gymnasium Abitur gemacht. Zu einem großen Teil meines damaligen Freundeskreises habe ich bis heute Kontakt. Das ist keine Selbstverständlichkeit – und ich freue mich, dass es so ist.
Nach dem Zivildienst in München und Ulm ging es für mich weiter zum Studium nach Ulm. Meine Frau Sarah (Sprenzel) hatte ich schon während der Schulzeit kennengelernt; auch sie wohnte damals mit ihrer Familie am Karlsplatz. Seitdem sind wir zusammen – inzwischen seit 28 Jahren.
Wann hat sich dein Interesse an Technik und neuen Medien gezeigt?
Das Interesse an Technik kam tatsächlich schon während der Schulzeit. Ich war in meinem Freundeskreis sicher nicht immer der aktivste oder kompetenteste auf diesem Gebiet. Aber ich war sehr aufgeschlossen und gern dabei, wenn es um Computer
und neue technische Möglichkeiten ging. Einige haben damals mit dem Computer Musik gemacht. Computerspiele spielten natürlich auch eine Rolle.
Warum habt ihr zwei euch damals für Ulm entschieden?
Mich hat aber vor allem gereizt, den Computer nicht nur zu nutzen, sondern die Technik dahinter oder „da drin“ tiefer zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Daraus hat sich dann auch der Weg zum Informatikstudium ergeben.
Wir haben einen Ort gesucht, an dem beides möglich war: Sarah wollte ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin machen, und ich wollte etwas studieren, das zu mir passt. Ulm bot dafür gute Voraussetzungen.
Es war eine besondere, intensive Zeit. Wir haben als junge Erwachsene in kleinen, einfachen Wohnungen gelebt, später auch zusammen. Das war in vielerlei Hinsicht prägend – nicht nur sachlich in Studium und Ausbildung, sondern auch persönlich.

Wenn du an deine Jugend in Neuburg zurückdenkst: Was hat dich hier besonders geprägt?
Wer in der Altstadt wohnt, für den gehört das Schloßfest ganz selbstverständlich dazu. Das war immer präsent und ist Teil des Lebens in Neuburg. Und ich freue mich, dass das immer noch so geblieben ist – auch unsere Kinder profitieren sehr davon.
Sehr prägend waren für mich außerdem die Ministranten und die katholische Jugend der Pfarrei St. Peter. Aus dieser Zeit sind bis heute schöne Freundschaften geblieben. Manche Menschen von damals sind inzwischen in der Welt unterwegs, andere leben weiterhin hier in Neuburg. Für mich ist das eine langfristige, tragende Verbindung – auch in die Gemeinde hinein.
Wie kam es dann für euch beide zu dem Schritt nach New York?
Ich war mit dem Studium fertig, und wir haben überlegt, welche beruflichen Möglichkeiten infrage kommen. Ich hatte schon vorher immer wieder selbstständig gearbeitet, aber ins Ausland zu gehen – besonders nach Amerika – war auch ein Traum meiner Frau. Sarahs Familie hat amerikanische Wurzeln.
Ich habe mich beworben, unter anderem bei einer Firma, die auch in München einen Standort hatte. Das erste Gespräch fand in München statt, anschließend gab es ein Telefoninterview mit den USA. Danach war die Entscheidung gefallen, und wir haben das Flugticket gebucht. Dass sich mein erster Job tatsächlich in New York ergab, war für uns deshalb ein sehr willkommener Zufall. Für uns war das eine besondere und prägende Zeit.
Wie habt ihr euch am Anfang in Amerika zurechtgefunden?
Die Firma stellte uns für die ersten vier Wochen ein Apartment zur Verfügung. Wir sind also mit zwei Koffern losgeflogen und erst einmal angekommen. Die Taxifahrt vom Flughafen Richtung New Jersey war allerdings die schlimmste unseres Lebens: mitten in der Nacht, mit Vollgas durch Manhattan.
Danach haben wir uns Schritt für Schritt sortiert, orientiert, eine eigene Wohnung gefunden und einen Haushalt aufgebaut. Wir kamen mit zwei Koffern, etwas Besteck von unserer Hochzeit und Kleidung. Vier Jahre später sind wir mit zwei Kindern, zwei Katzen, einem Auto und einem Container voller Sachen zurückgekommen.
Wo habt ihr in New York gelebt?
Im ersten Jahr haben wir auf der Upper West Side in der Nähe der Columbia University gewohnt, in einem sehr lebendigen, lateinamerikanisch geprägten Viertel – „Little Puerto Rico“. Nachts mischte sich die Salsa-Musik auf den Straßen mit den Sirenen der Feuerwehr – das war schon sehr New York.
Als sich unser erstes Kind ankündigte, wurde uns klar: Ein vierstöckiges Haus ohne Aufzug und ohne Platz für einen Kinderwagen ist auf Dauer nicht ideal. Deshalb sind wir über den Hudson nach Jersey City gezogen. Dort hatten wir etwas mehr Platz – und einen Aufzug. Hier ist dann auch unser zweites Kind zur Welt gekommen.
Hat dich diese Zeit mit ihren Menschen und Freundschaften bis heute geprägt?
Absolut. Mit engen Freunden von damals stehen wir bis heute in Kontakt. Sehr geprägt haben mich auch die Arbeitskollegen. Mein erstes großes Projekt dort war für die Federal Reserve Bank, also die amerikanische Notenbank. In diesem Team arbeiteten viele Kolleginnen und Kollegen aus Pakistan und Indien.
Das hat mir die Augen geöffnet für andere Kulturkreise – für Essen, Humor, Denkweisen, Familienverständnis und Lebensart. Ich habe viel von meinen Chefs und Kollegen gelernt und erinnere mich sehr gern an diese Zeit zurück.
Wie habt ihr damals Familie und Beruf miteinander
vereinbaren können?
Unsere Kinder waren zu dieser Zeit noch sehr klein. Sarah war selbstständig mit einem „Fitness-Bootcamp“. Sie ist sehr früh am Morgen – was eigentlich gar nicht meine Zeit ist – mit einer Gruppe in den Park gegangen, hat dort Sport gemacht und Menschen dabei unterstützt, fit zu werden oder fit zu bleiben.
Danach kam sie nach Hause, und ich bin zur Arbeit gegangen. Es war in gewisser Weise eine eher klassische Aufteilung, aber für uns hat es funktioniert.
Was ist für dich rückblickend die wichtigste Erfahrung aus der Zeit in Amerika?
Ein großer Teil unserer Zeit in Amerika fiel in die Präsidentschaft von Barack Obama. Wir waren dort, als er gewählt wurde. Dieses Gefühl, dass jetzt alles möglich ist und sich die Welt zum Positiven wenden kann, habe ich sehr tief in mir getragen.
Natürlich ist New York nicht einfach Amerika, sondern noch einmal etwas Eigenes. Aber dieses Gefühl, dass Menschen grundsätzlich dort ankommen, zu Hause sein und trotzdem ihre eigene Identität behalten können, hat mich beeindruckt. Man kann Teil der Gesellschaft werden, sich einbringen und etwas aufbauen.
Auch der Gedanke, dass nichts fest zementiert ist, ist mir geblieben: wie eine Stadt aussieht, wie Dinge geregelt sind, wie man zusammenlebt. Alles kann sich verändern und verbessern, wenn man es wirklich angeht. Selbst große Projekte mitten in der Stadt sind möglich. Dieses Gefühl, dass Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven trotzdem gemeinsam an etwas Gutem arbeiten können, hat sich bei mir eingeprägt.
Schwingt das für dich auch in dem Bibelvers mit, der hier im Rathaus neben deinem Schreibtisch eingerahmt hängt – „Suchet der Stadt Bestes“?
Ja, so ist es. Dieser Spruch hing bereits im Amtszimmer des Oberbürgermeisters, als ich es bezogen hatte. Der Satz stammt aus Jeremia 29,7. Seine Botschaft spricht mich sehr an. Er enthält im Kern die Aufforderung, sich aktiv für zentrale Werte im Zusammenleben einzusetzen. Es geht nicht darum, in einer passiven Haltung zu verharren und abzuwarten. Es geht darum, sich zu engagieren. Verantwortung übernehmen, Frieden suchen. Das hebräische Wort für Frieden – „Schalom“ – steht dabei nicht nur für sozialen Frieden, sondern ganz umfassend für ein gutes, gelingendes Leben mit gleichen Chancen. Für Gerechtigkeit.
„Suchet der Stadt Bestes“ spricht von dem guten Miteinander, das eine Stadtgemeinschaft trägt. Mit „Suchet“ ist nicht nur der einzelne Mensch angesprochen. Alle sind gemeint, jede und jeder Einzelne. Denn erst wenn sich viele – möglichst alle – ganz persönlich einbringen, kann eine Gemeinschaft aufblühen und für ihre Mitglieder eine Heimat werden.

Warum seid ihr schließlich nach Deutschland zurückgekehrt?
Unsere Kinder waren klein, unsere Eltern und Schwiegereltern wurden älter. Zum Glück sind sie noch alle da, aber wir hatten das Gefühl: Wenn wir nicht bald zurückkommen, wird die Verbindung zwischen Kindern und Großeltern schwieriger. Auch die Unterstützung, die wir uns erhofft und später auch bekommen haben, wäre mit größerer Entfernung deutlich schwieriger gewesen.
Zunächst sind wir nach Düsseldorf gegangen. Beruflich war das für mich der nächste Schritt, in den ich hineinbefördert wurde. Dort waren wir etwa ein Jahr. Aber die Entfernung zwischen Düsseldorf und Neuburg ist eben doch so groß, dass man sich im Alltag nicht leicht gegenseitig unterstützen kann. Deshalb sind wir nach etwas mehr als einem Jahr nach Neuburg zurückgekehrt. Ich habe dann in München gearbeitet und bin dorthin gependelt – weiterhin bei derselben Firma.
Nach eurer Rückkehr habt ihr wieder an eure Wurzeln in Neuburg anknüpfen können. 2020 bist du erstmals bei der Oberbürgermeisterwahl angetreten und hast es direkt in die Stichwahl geschafft. Was hat sich in den sechs Jahren im Neuburger Stadtrat seither für dich verändert?
In diesen sechs Jahren habe ich viel gesehen, gehört und verstanden: wie die Stadt funktioniert, wie Kommunalpolitik funktioniert, wo Potenziale liegen und wo es Bereiche gibt, in denen die Stadt zu sehr verharrt.
Ich habe gesehen, wo wir Dinge weiterentwickeln müssten – vielleicht schneller, vielleicht aber auch mit einem neuen Blick darauf, wie sich eine moderne Stadt für die Zukunft aufstellt.
Und das gilt gerade für eine Stadt wie Neuburg, die modern sein kann und gleichzeitig einen wunderschönen historischen Kern hat. Ottheinrichs Wahlspruch „mit der Zeyt“ ist wie eine DNA mit ganz viel Perspektive. Ansporn und Auftrag an jeden Menschen, der sich in dieser Stadt einbringen möchte.
Am Ende haben genau diese Erfahrungen den Ausschlag gegeben, mich noch einmal nominieren und aufstellen zu lassen und erneut in diesen Wahlkampf zu gehen.
Die Entscheidung, Oberbürgermeister werden zu wollen, ist eine große Lebensentscheidung. Du kommst aus der Wirtschaft, hast internationale Erfahrung gesammelt und selbstständig gearbeitet. Das Rathaus bringt andere Strukturen, andere Teams und andere Herausforderungen mit sich. Was hat dich daran gereizt?
Wir haben mit einem hervorragenden und sehr engagierten Team im Wahlkampf darauf hingearbeitet, dass es klappt. Einen solchen Einsatz bringt man nicht auf, wenn man es nicht wirklich will. Trotzdem war natürlich nicht absehbar, dass das Ergebnis so deutlich ausfallen würde. Für dieses Vertrauen bin ich sehr dankbar.
Schon dein Auftreten im Wahlkampf und danach – etwa das gemeinsame Frühstück am Karlsplatz – vermitteln einen sehr zugewandten Stil. Wie erlebst du die Resonanz der Menschen, denen du begegnest und mit denen du ins Gespräch kommst?
Mir ist wichtig, positiv, respektvoll und wertschätzend mit Menschen umzugehen. Das gilt auch für meinen Einstieg hier im Rathaus und für das Team, mit dem ich nun zusammenarbeite.
Bisher habe ich ein gutes Gefühl, aber nach bisher nur einigen Tagen im Amt wäre es zu früh, daraus ein abschließendes Urteil abzuleiten. Ich werde weiter daran arbeiten, Vertrauen aufzubauen, in das Team hineinzuwachsen und mir auch das Vertrau en des Teams zu erarbeiten. Denn wir müssen in den kommenden sechs Jahren gemeinsam Dinge in Bewegung bringen.
Was möchtest du in der ersten Zeit als Oberbürgermeister konkret auf den Weg bringen?
Nachdem wir uns auf der konstituierenden Sitzung am 12. Mai im Stadtrat die Geschäftsordnung gegeben haben, haben wir die Regeln festgelegt, nach denen wir in diesem Gremium zusammenarbeiten wollen.
An diesem Tag wurde ich von unserer Stadtratskollegin Bettina Häring vereidigt – das war ein sehr feierlicher Moment. Ich freue mich, dass ich nach der Wahl des Stadtrates für den 2. und 3. Bürgermeister mit Hans Habermeyer und Helena Schlusnus zwei sehr kompetente Persönlichkeiten an meiner Seite habe. Helena Schlusnus ist die erste Frau in diesem Amt seit 2002 und die erste Bürgermeisterin mit Migrationserfahrung. Das wird der Stadt gut tun.
Ich arbeite an den Themen, die auch im Wahlkampf eine Rolle gespielt haben. Ich habe ein 100-Tage-Programm formuliert, und daran halte ich fest. Dazu gehört zum Beispiel, ein Konzept für die temporäre Fußgängerzone vorzulegen und einen Plan zu entwickeln, wann wir damit beginnen können.
Ein weiteres Thema ist die Wärmeplanung. Wir müssen sie auf den Tisch legen und transparent kommunizieren, wie es mit der Wärmeversorgung weitergeht, damit die Bürgerinnen und Bürger Planungssicherheit haben.
Außerdem möchte ich den Nachtbergweg deutlich voranbringen und die Planungen für die Radlbrücke anschieben. Wichtig ist mir auch ein Wirtschaftsbeirat oder ein vergleichbares Gremium, durch das wir stärkere Impulse direkt aus der Wirtschaft aufnehmen können, um den Standort Neuburg zu stärken.
Und schließlich geht es um das Kulturforum, für das es bereits erste Terminüberlegungen gibt. Viele Vereine haben sich ein solches Forum gewünscht. Es soll helfen, die Vernetzung und den Austausch untereinander weiter zu stärken.

Bleibt neben dem Amt noch Zeit für Hobbies oder Dinge, die dir persönlich gut tun?
Das Laufen möchte ich unbedingt beibehalten. Am ersten Tag hat es nicht geklappt, das war ein 14-Stunden-Tag. An den beiden Tagen danach schon – die Stichprobe ist also noch nicht sehr groß. Aber ich werde versuchen, dranzubleiben, weil ich glaube, dass es wichtig ist, einen gesunden Geist in einem gesunden Körper zu bewahren, soweit das möglich ist.
Und natürlich möchte ich darauf achten, dass Zeit für die Familie bleibt. Das bedeutet auch, dass vielleicht nicht jeder offizielle Termin sofort und immer möglich sein wird. Denn diese Zeit mit der Familie ist mir sehr wichtig.
Gibt es ein Motto oder einen Satz, der dein Leben und deinen Antrieb gut beschreibt?
Hoffnung … die Hoffnung, dass wir die Zukunft besser machen können.