„Neuburg anno dazumal … die Zeitmaschine läuft! Kennt ihr euch aus?“ – mit dieser Rubrik begeistert Pressesprecher Bernhard Mahler die Freundinnen und Freunde unserer Stadt. In HALLO Neuburg erscheinen in dieser Rubrik abwechselnd Beiträge von ihm und Harald Müller – die beiden Spezialisten für Geschichte in Stadt und Land freuen sich, gemeinsam für
HALLO Neuburg aus ihrem reichen Archivschatz und historischen Quellen zu berichten.
Als Botschafter unseres Landkreises trägt Harald Müller den Charme unserer Heimat mit ihrer Mischung aus Stadt- und Landgemeinden, eng verwoben mit beeindruckenden Kultur- und Naturdenkmälern, in unsere Region. Außerdem ist er als der Landkreisgästeführer für die Ausbildung der Landkreisgästeführer zuständig.
Die Hutzeldörre – ein grünes Kleinod voller Geschichte
Wer vom Karlsplatz durch die Apothekergasse und die Gerichtsgasse hinuntergeht, gelangt zu einem der reizvollsten Winkel der Neuburger Altstadt. Hinter einem kleinen Durchgang in der Stadtmauer öffnet sich die Hutzeldörre – eine terrassenförmig angelegte Grünanlage, die sich an den sonnigen Südhang des Stadtbergs schmiegt. Hier verbinden sich historische Mauern, schattige Ruheplätze und schöne Ausblicke zu einem besonderen Erlebnis.
Lange Zeit führte dieser geschichtsträchtige Bereich eher ein Schattendasein. Inzwischen wurde die Hutzeldörre umfassend saniert und wieder zu einem attraktiven Erholungsort gemacht. Innerhalb von sieben Monaten erneuerte die Stadt Treppen, Wege, Geländer und Sitzgelegenheiten. Pollerleuchten sorgen am Abend für Orientierung. Außerdem wurden 18 neue Bäume gepflanzt. Zusammen mit der Kneippanlage und dem Grabenspielplatz entstand mitten in Neuburg ein vielseitiger Aufenthaltsbereich für Jung und Alt.
Besonders eindrucksvoll ist die historische Kulisse. Am tiefen Stadtgraben erhebt sich die mächtige Eskarpenmauer. Dieser heute kaum noch gebräuchliche Begriff bezeichnet die innere Stützmauer eines Festungsgrabens. Darüber ragen die Stadtmauer mit ihren Rundtürmen sowie Teile der alten Zwingeranlage auf. Der Zwinger war der geschützte Raum zwischen zwei Befestigungsmauern. Gelang es Angreifern, die äußere Mauer zu überwinden, konnten sie dort von den Verteidigern aufgehalten werden. Noch heute vermittelt dieser Abschnitt einen anschaulichen Eindruck davon, wie stark Neuburg einst befestigt war.
Auch der ungewöhnliche Name „Hutzeldörre“ gehört zu den Besonderheiten des Ortes. Als „Hutzel“ bezeichnet man eine getrocknete und runzelige Birne. Einer augenzwinkernden Überlieferung zufolge sollen sich auf den sonnigen Terrassen früher ältere adelige Damen aufgehalten haben. Während sie miteinander plauderten und die Sonne genossen, seien sie dabei gleichsam selbst zu „Hutzeln“ geworden. Ob der Name tatsächlich auf diese Geschichte zurückgeht, ist nicht sicher. Die unterhaltsame Erklärung gehört heute jedoch fest zum Erzählstoff vieler Neuburger Stadtführungen.
Die Hutzeldörre war ursprünglich Teil des Oberen Hofgartens. Das Gelände zwischen Oberem Tor, Burgwehr und Stadtbefestigung hatte im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Aufgaben. Zunächst gehörte es zur Befestigungsanlage. Vor 1775 wurde der Gartenzwinger zwischen Oberem Tor und Burgwehr dem Neuburger Karmelitinnenkloster überlassen. Später verpachtete man einzelne Flächen an Hofbeamte.
Zwischen 1813 und 1817 ließ Herzogin Amalie von Zweibrücken das Gelände zwischen Stadtmauer und Stützmauer zu einem Hofgarten umgestalten. Eine Beschreibung aus den Jahren 1833 bis 1835 berichtet von Baum- und Gemüsegärten, kleinen Gartenhäuschen und einem Gang, der zu einem Turm führte. Am 9. Mai 1868 überließ der bayerische Staat den gesamten Hofgarten der Stadt Neuburg. Diese verpflichtete sich im Gegenzug, die Gartenanlagen zu erhalten. So wurde aus dem früheren fürstlichen Garten allmählich eine öffentliche Grünanlage.
Heute ist die Hutzeldörre in einen reizvollen Rundweg eingebunden. Er verbindet Hofgarten, Oberes Tor, Burgwehr, Karlsplatz, Schloss und Sternschanze miteinander. Auf kurzer Strecke begegnen den Spaziergängern eindrucksvolle Befestigungsanlagen, grüne Ruheplätze und überraschende Ausblicke. So ist aus einem lange wenig beachteten Winkel ein
lebendiger Ort geworden, an dem Neuburgs Vergangenheit bis heute sichtbar bleibt.